AKW in Bulgarien: Regierungschef sieht massive Korruption

16.03.2010 16:50

   Sofia (dpa) - Bulgariens Regierungschef Bojko Borissow befürchte
t,
dass beim Atomkraftwerk-Projekt Belene an der Donau bereits bis zu
einer Milliarde Euro durch Korruption versickert sind. Er werde
alles, was bislang für das Projekt getan worden ist, vom
Generalstaatsanwalt überprüfen lassen, sagte Borissow am Dienstag
während eines Besuchs in Belene. Bulgarien habe für das Projekt mit
Russland bislang zwei Milliarden Lewa (1 Mrd Euro) ausgegeben, ohne
dass der Neubau des Atomkraftwerks einen Schritt vorangekommen sei.

Die bis Mitte 2009 regierenden Sozialisten wiesen
die Korruptionsvorwürfe des bürgerlich Borissow als Ausdruck von
«Unwissenheit, Inkompetenz und Verantwortungslosigkeit» zurück,
Belene sei für Bulgarien ein «strategisch wichtiges Projekt»,
erklärten sie.

   «Jetzt versteht ihr warum RWE davongelaufen ist», kommentierte

dagegen Wirtschaftsminister Trajtscho Trajkow nach Angaben der
Agentur Focus den Ausstieg des deutschen Energiekonzerns Ende 2009
aus dem Milliardenprojekt. Der Regierungschef betonte, dass Bulgarien
nur dann die von Russland angebotene Zwischenfinanzierung über zwei
Milliarden Euro annehmen werde, wenn ein neuer (west-)europäischer
Investor gefunden ist. «Das Wertvolle an diesem Standort» sei, dass
die EU den Bau des AKW genehmigt habe, sagte Borissow.

Das zweite AKW in Bulgarien soll nach einem Vertrag aus dem Jahr
2008 von Russlands Atomstroiexport bis 2015 gebaut werden.
dpa el xx n1 jf