Malta stellt Visa für Libyer aus
16.03.2010 20:18
Valletta (dpa) - Trotz eines im Schengen-Raum geltenden
Einreiseverbots stellt Malta wieder Visa für 188 Libyer aus, die von
der Schweiz zu unerwünschten Personen erklärt wurden. Allerdings
würden diese Visa nur für die Einreise nach Malta gelten, teilte die
Regierung in Valletta am Dienstag mit. Hintergrund ist die schwere
diplomatische Krise zwischen der Schweiz und Libyen, die 2008 mit der
sogenannten Hannibal-Affäre begann.
Die Polizei in Genf hatte 2008 Hannibal al-Gaddafi, einen Sohn des
libyschen Staatschefs Muammar al-Gaddafi, wegen angeblicher
Misshandlung von Hausangestellten vorübergehend festgenommen.
Daraufhin waren zwei Schweizer Geschäftsleute in Libyen verhaftet
worden. Einer der beiden konnte das arabische Land inzwischen nach
eineinhalb Jahren wieder verlassen. Der andere befindet sich nach wie
vor in Haft.
Bern reagierte mit dem Einreiseverbot: 188 prominente Libyer wurde
auf eine Liste von unerwünschten Personen gesetzt, die nun in allen
25 Ländern des Visa-freien Schengen-Raums gilt. Tripolis kündigte
daraufhin an, im Gegenzug Bürgern aus diesen Staaten ebenfalls die
Einreise nach Libyen zu verweigern. Davon sind auch Hunderte von
Maltesern betroffen, die in dem nordafrikanischen Land arbeiten.
Wie der maltesische Außenminister Tonio Borg am Dienstag
mitteilte, habe er die Botschafter der anderen EU-Staaten über die
Position seines Landes unterrichtet. Außerdem habe er sie über seine
Gespräche mit der libyschen Regierung in Tripolis vergangenen Woche
informiert. Zugleich wurden die EU-Mittelmeeranrainer Frankreich,
Spanien, Italien und Portugal aufgefordert, sich dem Beispiel Maltas
anzuschließen, bis der Streit zwischen der Schweiz und Libyen
beigelegt ist.
dpa hg/mu fi xxzz n1 la
