Abonnenten-Login

Ackermann: Rettung Griechenlands ohne Alternative

17.03.2010 19:28

Frankfurt/Main (dpa) - Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann hält die
Rettung des hochverschuldeten Griechenlands für alternativlos. «Wenn
wir Griechenland nicht stabilisieren können, haben wir das nächste
Problem. Die Kosten sind zu hoch, wenn man keine Rettung findet»,
sagte Ackermann am Mittwochabend bei einer Veranstaltung des Center
for Financial Studies in Frankfurt. Die deutschen Banken - nicht die
Deutsche Bank - hätten dort «beträchtliche Milliarden im Feuer».

Insgesamt müsse die Suche nach Lösungen aus der Finanzkrise wieder
stärker weltweit abgestimmt werden, mahnte Ackermann. Tendenzen zu
Abschottung und nationalen Alleingängen betrachte er mit Sorge. «Die
Preisgabe international integrierter Finanzmärkte wäre nicht nur ein
Bruch wirtschaftlicher und gesellschaftspolitischer
Grundentscheidungen, sie wäre vor allem verbunden mit massiven
Wohlfahrtseinbußen», sagte der Chef des Dax-Konzerns.

«Es steht außer Frage, dass der Ordnungsrahmen für die
Finanzmärkte einer grundlegenden Reform bedarf. Die Schwächen, die
die Krise offengelegt hat, waren zu offenkundig.» Allerdings sei die
Schuld für die Krise nicht nur bei der Finanzbranche zu suchen: Auch
niedrige Zinsen und regulatorisches Versagen seien mitverantwortlich.

Darum müssten Reformen auch an verschiedenen Stellen ansetzen.
Unter anderem sei angeraten, die Verflechtung der Marktteilnehmer
untereinander zu verringern: «Wir müssen verhindern, dass kranke
Finanzinstitute gesunde Wettbewerber infizieren», sagte Ackermann.
Die Aufsicht müsse schon eingreifen dürfen und den Abbau von Risiken
verlangen, bevor ein Institut kurz vor dem Kollaps stehe. Dazu
brauche es auch gesamteuropäische Aufsichtsstrukturen.

Alle Marktteilnehmer sollten sich besser auf die mögliche Rettung
einer Bank vorbereiten, forderte Ackermann und erinnerte an die
Probleme bei der Rettung von IKB und Hypo Real Estate (HRE). «Ein
Stabilisierungsfonds für die Restrukturierung von Banken ist in
meinen Augen unverzichtbar.»

[Hermann-Josef-Abs-Saal]: Junghofstr. 5-7, 60311 Frankfurt am Main
dpa jb yyhe n1 so


Anzeige