Ringen um griechische ThyssenKrupp-Werft HSY
31.08.2010 17:08
Essen/Athen/Brüssel (dpa) - Über die Zukunft der zum
ThyssenKrupp-Konzern gehörenden griechischen Werft Hellenic Shipyards
(HSY) wird in Athen verhandelt. In den Gesprächen mit der
griechischen Regierung geht es darum, ob die Werft an den arabischen
Schiffbauer Abu Dhabi Mar veräußert oder in die Insolvenz geschickt
wird, wie aus dem Verhandlungsumfeld verlautete. Nicht ausgeschlossen
sei aber auch, dass eine endgültige Entscheidung über das Schicksal
der früheren Staatswerft noch einmal verschoben wird. Eine
ThyssenKrupp-Sprecherin bestätigte Gespräche in dieser Woche. Aus
Athen verlautete, dass die Verhandlungen schon begonnen haben.
Im März hatte die griechische Regierung in einer
Grundsatzvereinbarung der Neuordnung der Aufträge zugestimmt. So will
Griechenland endlich ein bereits 2006 in Kiel fertiggestelltes U-Boot
abnehmen und zudem zwei neue U-Boote einer neueren Baureihe bei HSY
in Auftrag geben. Die Bestellungen gelten als Voraussetzung für die
Rettung der Werft mit ihren rund 1200 Arbeitsplätzen. In den nun
anstehenden Gesprächen soll es um die entscheidenden Details der
Verträge gehen.
Auf ThyssenKrupp sollten in den Verhandlungen keine negativen
Überraschungen mehr warten. Der Konzern hatte im vergangenen Jahr
sämtliche alte Verträge gekündigt und alle Forderungen von zusammen
gut 520 Millionen Euro abgeschrieben. Nun hoffen die Essener, dass
doch noch Geld aus dem hochverschuldeten Griechenland fließt. In den
Rahmenvereinbarungen wurden 321 Millionen Euro festgeschrieben.
Der Streit ging zunächst um den Bau von vier U-Booten im Wert vo
n
2,85 Milliarden Euro. Die Griechen hatten im Jahr 2000 im Voraus fast
80 Prozent des Betrages für den Bau der Boote des Typs 214 gezahlt.
Später bemängelten sie die Qualität des Prototyps. Der U-Boot-Typ
wurde in der ThyssenKrupp-Werft HDW in Kiel entwickelt, wo das erste
Schiff «Papanikolis» wegen des Streits immer noch liegt.
Abu Dhabi Mar ist für die gesamte Neuordnung der Marinesparte vo
n
ThyssenKrupp der strategische Partner. Der Werftenbetreiber übernimmt
einen Großteil des zivilen Schiffbaus des Ruhrkonzerns. Der
militärische Teil wird in Gemeinschaftsunternehmen überführt. Am
Dienstag genehmigte die EU-Kommission den Verkauf an die Araber. Die
Hamburger Traditionswerft Blohm + Voss dürfe an Abu Dhabi Mar
veräußert werden, da der freie Wettbewerb in Europa nicht gestört
werde, hieß es aus Brüssel. Teil des Geschäfts ist auch der zivile
Schiffbau der ehemaligen HDW Gaarden in Kiel.
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- [Mitteilung der Kommission](http://dpaq.de/ns6GI)
## Orte
- [EU-Kommission](Rue de la loi 200, B-1049 Brüssel)
