EZB sieht mehr Wachstum - Zinsen bleiben niedrig

02.09.2010 16:23

   Frankfurt/Main (dpa) - Die Europäische Zentralbank traut dem Eur
o-
Raum 2010 und 2011 mehr Wachstum zu, hält aber dennoch an ihrer
Politik des billigen Geldes fest. Notenbank-Präsident Jean-Claude
Trichet verwies am Donnerstag in Frankfurt auf Risiken für die
Konjunkturerholung: etwa die Probleme in anderen Volkswirtschaften
wie den USA oder der Druck auf die Rohstoffpreise. «Wir befinden uns
immer noch in einem unsicheren Umfeld», sagte Europas oberster
Währungshüter.

Die Aussichten für die Konjunktur im Euro-Raum bewertet die
Europäische Zentralbank (EZB) jedoch positiver als vor drei Monaten.
Die EZB erhöhte ihre Prognose für das Wirtschaftswachstum in diesem
Jahr von 1,0 (Spanne: 0,7 bis 1,3) auf 1,6 (1,4 bis 1,8) Prozent. Für
2011 wird statt 1,2 (0,2 bis 2,2) Prozent ein Zuwachs des
Bruttoinlandsprodukts von 1,4 (0,5 bis 2,3) Prozent erwartet.

Die Inflationsrate dürfte sich nach Einschätzung der EZB in diesem
Jahr im Mittel bei 1,6 Prozent bewegen, bei ihrer letzten Schätzung
vor drei Monaten war die EZB noch von 1,5 Prozent ausgegangen. 2011
dürfte die Teuerung dann leicht auf 1,7 Prozent steigen. Hier waren
bisher 1,6 Prozent genannt worden. Mittelfristig liegen die Raten
damit aber noch immer unter der Warnschwelle der EZB von 2,0 Prozent,
wie Trichet betonte. Dies stütze die Kaufkraft der Haushalte.

Den Geschäftsbanken kommt die Notenbank weiterhin mit Zinsen auf
Rekordtief entgegen: Der Notenbankrat beließ den Leitzins im Euro-
Raum bei seiner Sitzung in Frankfurt bei 1,0 Prozent. Seit Mai 2009
verharrt der wichtigste Zins zur Versorgung der Banken mit
Zentralbankgeld auf diesem Niveau. Zudem kündigte Trichet an, die EZB
werde den Geschäftsbanken über den Jahreswechsel hinaus gegen
Sicherheiten unbegrenzt Liquidität zur Verfügung stellen. «Wir
beobachten den Markt mit großer Wachsamkeit», versicherte Trichet.
Die Sondermaßnahmen würden beendet, sobald es nötig sei.

   Mit einem Zinsschritt nach oben rechnen Volkswirte frühestens
2011. Gegen höhere Zinsen sprechen die unsicheren wirtschaftlichen
Aussichten und die auf absehbare Zeit niedrige Inflation. Höhere
Zinsen würden Kredite verteuern und könnten daher Gift für die
Erholung der Konjunktur sein.

Zudem werde die EZB «mit ihrer Zinspolitik Rücksicht nehmen müssen

auf die Staatsschuldenkrise, die noch lange nicht ausgestanden ist»,
befand die Commerzbank. «All dies spricht dafür, dass die EZB ihren
Leitzins noch lange bei nur 1,0 Prozent belassen wird, selbst für
2011 erscheint eine erste Zinserhöhung immer unwahrscheinlicher.»

In der Debatte um eine Abberufung des umstrittenen
Bundesbankvorstands Thilo Sarrazin stellte sich Trichet voll und ganz
hinter die Bundesbankführung. «Als Bürger war ich entsetzt über die
se
Äußerungen, als Präsident der Europäischen Zentralbank habe ich
volles Vertrauen in die Entscheidungen der Bundesbank», sagte der
EZB-Präsident zu den heftig diskutierten Thesen Sarrazins zur
Integration von Zuwanderern. Trichet betonte, die Bundesbank sei in
ihrer Entscheidung unabhängig.

# dpa-Notizblock

# Redaktioneller Hinweis
- die Berichterstattung zu Bundesbankvorstand Thilo Sarrazin läuft
im Ressort Politik

## Internet
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