Tierschützer erhoffen Durchbruch im Robbenstreit Gespräch: Michael Brehme, dpa
12.09.2010 01:30
Brüssel (dpa) - Im Gerichtsstreit um das Einfuhrverbot von
Robbenfellen in die EU hoffen Tierschützer auf eine rasche
Entscheidung. «Wir erwarten, dass das Verbot bis Ende September
endgültig in Kraft treten wird», sagte Adrian Hiel, EU-Sprecher des
Internationalen Tierschutz-Fonds (IFAW), in einem Gespräch mit der
Nachrichtenagentur dpa in Brüssel.
Die neue EU-Vorschrift, wonach generell keine Robbenfelle mehr in
die Union gelangen dürfen, ist zwar seit dem 20. August grundsätzlich
in Kraft getreten. Doch das EU-Gericht in Luxemburg setzte den Bann
auf Antrag von 16 Klägern de facto aus. Vor dem Gericht muss auch in
einem weiterem Verfahren
geklärt werden, ob ein Einfuhrverbot EU-Recht entspricht; dieses
Verfahren könnte sich laut Hiel noch über mehrere Jahre erstrecken.
«Wir erwarten, dass das Gericht die Aussetzung erstmal aufhebt,
auch wenn uns das zweite Verfahren in den kommenden Jahren weiter
beschäftigen wird», sagte Hiel. In den kommenden zwei bis drei Wochen
rechne er mit einer ersten Entscheidung der Luxemburger Richter.
Robbenfelle der Kläger - darunter auch drei der größten
Robbenfell-Fabrikanten - können wegen der Aussetzung weiter
ungehindert nach Europa gelangen. «Das ist aber zu vernachlässigen.
In dieser Zeit des Jahres gibt es sowieso keine kommerzielle
Robbenjagd - die Saison ist im Winter und Frühjahr», meinte Hiel.
Das Verbot gilt für sämtliche Robben-Produkte, darunter auch
Öle,
Häute und Tran, der in Kosmetik oder Medizin verwendet wird. Die
Felle werden meist für die Herstellung von Pelzen, Mänteln und Mützen
verwendet. Es gibt eine Ausnahme für die arktischen Ureinwohner
Inuit, die keine kommerzielle Robbenjagd betreiben und deshalb vom
Einfuhrverbot sowieso nicht betroffen wären.
«Wir akzeptieren diese Ausnahme absolut. Viele Menschen erkennen
nicht, dass die Robbenjagd der Inuit eine völlig andere ist als die
kommerzielle Robbenjagd», erklärte Hiel. Ziel der Tierschützer sei
es, die «eingewurzelte Grausamkeit» kommerzieller Jäger zu stoppen
anstatt die Existenz der Ureinwohner zu gefährden. «Die Inuit jagen
verschiedene Robben zu verschiedenen Jahreszeiten aus verschiedenen
Gründen, Tausende von Kilometern entfernt und vor allem auf
unterschiedliche Weise.»
Laut Schätzungen werden jährlich etwa 900 000 Robben getötet
-
«aber die Zahlen sind rückläufig», sagte Hiel. In den vergangenen
Jahren sei der Preis für Robbenpelze drastisch gesunken, somit habe
auch das Interesse der Jäger nachgelassen. 2008 und 2009 hätten
allein in Kanada eine halbe Million Robben mehr als üblich überlebt.
In Deutschland schwankt der Umsatz mit Robbenprodukten nach Angaben
des IFAW zwischen 200 000 Euro und einer Million Euro pro Jahr.
# dpa-Notizblock
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