EU will Schweinepreis stützen - Ministertreffen zu Hunger

22.01.2011 15:36

   Berlin (dpa) - Nach dem Dioxinskandal will die Europäische Union

den Preis für Schweinefleisch stabilisieren. «Wir müssen versuchen,
einen Preissturz zu verhindern», sagte EU-Agrarkommissar Dacian
Ciolos am Samstag auf der Grünen Woche in Berlin. Er schlug vor, dass
die Bauern ihr Fleisch vorübergehend auf EU-Kosten einlagern und es
erst verkaufen, wenn der Preis sich erholt hat. Unterdessen berieten
Regierungsvertreter aus mehr als 50 Ländern in Berlin über
Rohstoffspekulationen und den Kampf gegen Hunger.

Bundeslandwirtschaftsministerin Ilse Aigner (CSU) hatte vorab vor
Hungerrevolten in ärmeren Ländern gewarnt. «Die Ausschreitungen in
Algerien und Tunesien haben ihren Grund auch in den steigenden
Lebensmittelpreisen», sagte Aigner der Nachrichtenagentur dpa. «Wenn
immer mehr Menschen auf der Welt leben, wird es vor allem für
Schwellen- und Entwicklungsländer immer schwieriger, bei steigenden
Preisen die Grundversorgung sicherzustellen.»

   Aigner hält die Ernährungslage angesichts der schnell wachsend
en
Weltbevölkerung für besorgniserregend. «Die Welt verbraucht derzeit
mehr Weizen und Mais als sie produziert. Bei Getreide, Pflanzenölen,
Zucker und Fleisch gehen die Preise nach oben.» Verschärft werde die
Lage noch durch Spekulationen auf den Agrarmärkten, aber auch durch
Naturkatastrophen. Aigner diskutierte am Samstag auch mit
Ressortkollegen aus Polen, Marokko, Kenia, Polen, Frankreich, Kanada
und der Ukraine sowie Ciolos über die Welternährung.

Nach offiziellen Schätzungen wächst die Bevölkerung des Planeten
von derzeit 6,9 Milliarden Menschen bis 2050 auf 9,1 Milliarden. «Die
weltweite Produktion muss um rund 70 Prozent gesteigert werden, damit
die Ernährung gesichert werden kann», sagte Aigner.

EU-Kommissar Ciolos kündigte Schritte gegen Spekulationen mit
Agrarrohstoffen an. «Die Kommission ist der Meinung, dass man so
vorgehen muss wie Michel Barnier es für Finanztransaktionen
vorgeschlagen hat.» Binnenmarktkommissar Barnier hatte eine Steuer
und härter Strafen für Finanzdelikte angekündigt. Ciolos sagte, es
müssten die Anleger ausgeschlossen werden, die nur ein Interesse am
Profit haben, nicht aber an den Gütern selbst. Am Abend wollte Aigner
über Ergebnisse des sogenannten Agrarministergipfels informieren.

Kommissar Ciolos will am Montag im EU-Ministerrat über den
Schweinepreis sprechen. Der Preis für deutsches Schweinefleisch war
nach dem Fund von Dioxin in Futtermittel um ein Viertel gesunken.
China hat die Einfuhr gestoppt. Auch Russland schließt ein komplettes
Importverbot wegen des Dioxinskandals nicht aus.

«Unsere deutsche Wirtschaft hat bislang noch nicht die
Notwendigkeit der privaten Lagerhaltung angemeldet», sagte Aigner
(CSU). Deutschland werde sich der Diskussion aber nicht verschließen
und sich seiner Verantwortung stellen. Konkreter wurde Aigner nicht.

# dpa-Notizblock

## Redaktionelle Hinweise
- Gesamtzusammenfassung mit Demonstration in Berlin nach
Agrarministergipfel bis 1930 - ca. 60 Zl

## Internet
- [Grüne Woche](www.gruenewoche.de)

## Orte
- [Messe Berlin](Messedamm 22, 14055 Berlin)