IWF fordert erneut massive Einschnitte in Griechenland

01.02.2012 10:10

Athen (dpa) - Der Internationale Währungsfonds (IWF) hat erneut
massive Einschnitte in Griechenland gefordert, zugleich aber Fehler
eingeräumt. Der IWF-Chefkontrolleur für Griechenland, Poul Thomsen,
sagte der Athener Zeitung «Kathimerini», die Regierung in Athen müsse

staatliche Unternehmen schließen und notfalls Staatsbedienstete
entlassen. Außerdem müssten die Löhne drastisch gekürzt werden.

Der Mindestlohn in Griechenland sei «dramatisch höher» im
Vergleich zu anderen europäischen Staaten, sagte Thomsen. Es sei
skandalös, dass wegen der hohen Mindestlöhne rund 40 Prozent der
jungen Menschen in Griechenland arbeitslos sind. Thomsen sagte aber
zugleich, dass es Fehler in der Politik der «Troika»-Experten von EU,
IWF und Europäischer Zentralbank (EZB) gegeben habe. Das
Reformprogramm habe zu sehr auf neuen Steuern basiert. Die «Troika»
hätte der Reduzierung der Ausgaben mehr Gewicht geben sollen.

Zu den laufenden Verhandlungen über einen freiwilligen
Schuldenschnitt für Griechenland und die Frage, ob sich neben
privaten Gläubigern auch Staaten oder die EZB beteiligen sollten,
sagte Thomsen: «Wir brauchen eine kombinierte Reduzierung der Lasten
der Schulden des Landes».

Der griechische Finanzminister Evangelos Venizelos hatte am
Dienstag ein bislang nicht geplantes Treffen der Finanzminister der
Eurogruppe in Brüssel angekündigt. «Am Montag, den 6. Februar, wird
es erneut ein Treffen der Eurogruppe geben», sagte Venizelos vor
Journalisten in Athen. Dabei gehe es um den angepeilten
Schuldenschnitt und das griechische Spar- und
Stabilisierungsprogramm, wie es hieß. Eine Bestätigung der Eurogruppe
für das Treffen gab es allerdings nicht.

«Wir müssen unsere Arbeit machen und bis zum Ende dieser Woche die
Verhandlungen mit der "Troika" über das neue Sparprogramm
abschließen», sagte Venizelos. In Zusammenhang mit dem angestrebten
Schuldenschnitt von 100 Millionen Euro stünden Griechenland und die
Banken «einen Schritt vor Abschluss der Verhandlung». Venizelos
schätzte, dass der Schuldenschnitt höher sein werde als bislang
angepeilt. Nach seinen Worten könnten die Verluste der privaten
Gläubiger die Marke von 70 Prozent erreichen.

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## Orte
- [Finanzministerium](Odos Nikis 5-7, Athen, Griechenland)

## Internet
- [Zeitung «Kathimerini»](http://www.kathimerini.gr)