EU will Handel mit riskanten Finanzwetten kontrollieren
02.02.2012 12:08
Brüssel (dpa) - In der EU wird es schon bald strengere Regeln für
den außerbörslichen Handel mit riskanten Finanzwetten geben.
EU-Kommission, Ministerrat und Europaparlament stehen kurz vor
Abschluss ihrer Verhandlungen über einen Kompromiss zur Kontrolle des
Handels mit sogenannten Derivaten, verlautete am Donnerstag aus dem
Parlament in Brüssel. Die Einigung soll kommende Woche erfolgen, die
Regeln könnten dann Ende 2012 in Kraft treten.
Das neue Gesetz schreibt künftig eine Meldepflicht für den Handel
mit Derivaten vor. Transaktionen müssen an ein zentrales Register
gemeldet werden, das darüber berichtet. Käufer und Verkäufer werden
verpflichtet, ihren Handel über Verrechnungsstellen - sogenannte
Gegenparteien oder Clearinghäuser - abzuwickeln. Sie würden Ausfälle
auffangen, so dass keine Kettenreaktion einsetzen könnte, wenn ein
Marktteilnehmer zahlungsunfähig wäre. Das Ziel lautet, das Risiko der
oft schwer durchschaubaren Produkte zu verringern und Spekulation
einzudämmen.
Außerbörslich gehandelte Papiere gelten als riskante
Geschäftspraktiken und als Auslöser für die globale Finanzkrise 2008.
«Derivate dürfen nicht mehr hinter dem Rücken der Aufsichtsbehörden
auf dem Schwarzmarkt gehandelt werden», sagte der Vorsitzende der
SPD-Europaabgeordneten, Udo Bullmann.
Umstritten ist noch, wo die Clearinghäuser ihren Sitz haben und
wie sie zugelassen werden sollen. Als Aufsichtsbehörde über die
Verrechnungsstellen agiert die europäische Wertpapieraufsicht ESMA.
Vor allem das Parlament hatte sich für die Stärkung der ESMA
eingesetzt. Pensionsfonds werden von der Clearing-Pflicht für drei
Jahre ausgenommen.
Beim Derivatehandel geht es um einen gigantischen Markt mit einem
globalen Volumen von mehr als 450 Billionen Euro. Derivate sind unter
anderem Termin- oder Optionsgeschäfte, deren Preis sich nach den
Kursschwankungen ihrer Basiswerte richtet, beispielsweise Aktien.
# dpa-Notizblock
## Internet
- [Vorschlag EU-Kommission vom September 2010](http://dpaq.de/frrNI)
- [Beschluss des EU-Ministerrats](http://dpaq.de/ceSbk)
## Orte
- [EU-Kommission](Rue de la Loi 200, B-1049 Brüssel, Belgien)
