Frankreich und Spanien refinanzieren sich zu niedrigeren Zinsen
02.02.2012 12:58
Paris/Madrid/Frankfurt (dpa) - Die Euro-Schwergewichte Frankreich
und Spanien können sich trotz einer geringeren Kreditwürdigkeit immer
noch problemlos langfristig refinanzieren. Am Donnerstag besorgten
sich die Euroländer Nummer zwei und vier mit mehreren Anleihen
frisches Kapital am Markt. Bei einer robusten Nachfrage gaben die zu
zahlenden Renditen teils deutlich nach. Die Auswirkungen der jüngsten
Herabstufungen durch die Ratingagenturen Standard & Poor's (S&P) und
Fitch bleiben damit ohne größere Auswirkungen.
Die zweitgrößte Euro-Wirtschaft Frankreich, die Mitte Januar ihre
Top-Bonität bei S&P verloren hatte, trat am Markt mit drei
langlaufenden Anleihen in Erscheinung. Dabei musste der französische
Staat den Anlegern sogar weniger Zinsen bieten als noch zu
Jahresbeginn - also vor dem Verlust seiner Höchstbewertung. Insgesamt
nahm Frankreich mit den drei Papieren 7,962 Milliarden Euro auf,
womit die angestrebte Kapitalaufnahme von bis zu acht Milliarden Euro
fast erreicht wurde.
Eine neue zehnjährige Anleihe spülte dem französischen Staat knapp
5,7 Milliarden Euro in die Kasse. Die zu zahlende Rendite sank von
3,29 Prozent bei einer vergleichbaren Auktion Anfang Januar auf 3,13
Prozent. Die Überzeichnung - also das Verhältnis von Nachfrage zu
Angebot - lag bei 1,71. Noch stärker war die Nachfrage bei den
anderen beiden Anleihen mit acht- und sechsjähriger Laufzeit. Hier
lag die Nachfrage teils mehr als viermal so hoch wie das Angebot.
Die viertgrößte Euro-Wirtschaft Spanien, die mit Italien derzeit
unter besonderer Beobachtung der Marktteilnehmer steht, konnte sich
ebenfalls ohne Probleme frisches Kapital beschaffen. Drei neue
Anleihen mit Fälligkeit 2015, 2016 und 2017 spülten dem Staat
insgesamt 4,56 Milliarden Euro in die Kasse. Das anvisierte
Zielvolumen wurde damit sogar leicht übertroffen. Die Nachfrage war
zum Teil mehr als dreimal so hoch wie das Angebot. Die Zinsen, die
Spanien den Investoren bieten musste, gingen im Vergleich zu
Auktionen im Januar und Dezember deutlich zurück. In der Spitze lag
der Rückgang bei zwei Prozentpunkten.
Am Sekundärmarkt, wo bereits ausgegebene Staatspapiere gehandelt
werden, wurden die Ergebnisse allerdings gemischt aufgenommen.
Während die Risikoaufschläge französischer Titel zu deutschen
Staatsanleihen zurückgingen, legten sie in Spanien unmittelbar nach
der Auktion spürbar zu.
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