Bremer OHB erhält Zuschlag für Galileo-Satelliten
02.02.2012 13:53
Galileo ist Europas Prestigeprojekt - und entsteht mit deutschem
Know-how. Die Bremer OHB baut acht weitere Satelliten für das
Navigationssystem im Weltall. Nach vielen Verschiebungen will die EU
das Projekt jetzt vorantreiben, 2014 soll es in Betrieb gehen.
Brüssel/Bremen (dpa) - Der Bremer Raumfahrtkonzern OHB wird acht
weitere Satelliten im Wert von 250 Millionen Euro für das europäische
Satellitennavigationssystem Galileo bauen. Der entsprechende Vertrag
wurde am Donnerstag in London unterzeichnet, teilte die EU-Kommission
in Brüssel mit. Für die Bremer ist es ein Anschlussauftrag, sie
fertigen bereits 14 Satelliten für Europas Prestigeprojekt. Beworben
hatte sich auch die EADS-Astrium GmbH mit Sitz in Ottobrunn.
Mit dem Galileo-System will Europa von Ende 2014 an die Vormacht
des US-amerikanischen GPS («Global Positioning System») brechen.
Galileo soll weltweit metergenaue Positionsbestimmungen ermöglichen.
Autos, Schiffe, Rettungsdienste, aber auch Industrie und
Landwirtschaft könnten die Navigation nutzen. Seit Oktober 2011 sind
die ersten beiden Satelliten im All, am Ende soll Galileo 30
Satelliten umfassen.
Immer wieder brachten Verzögerungen im Zeitplan und höhere Kosten
Galileo in die Kritik. Der Betrieb war eigentlich schon für 2008
geplant. Die Kosten werden inzwischen auf sieben Milliarden Euro
veranschlagt und sind damit doppelt so hoch wie gedacht. Nun will die
EU das Projekt vorantreiben. «Die heutigen Unterschriften bedeuten,
dass das Programm planmäßig und innerhalb des verfügbaren
Finanzrahmens verläuft», sagte EU-Industriekommissar Antonio Tajani.
Tajani lobte Europas «höchst wettbewerbsfähige
Raumfahrtindustrie». Der Bremer Satellitenbauer OHB sprach von einem
Erfolg: Der erneute Zuschlag für OHB sei «gleichzeitig auch
Anerkennung unserer bereits geleisteten Arbeit im Galileo-Programm»,
sagte der Vorstandsvorsitzende der OHB System AG, Marco R. Fuchs.
OHB hatte den ersten Auftrag für die Satelliten im Januar 2010
erhalten, was dem Konzern einen Schub gab. Innerhalb von nur zwei
Jahren entstanden allein am Bremer Standort rund 150 neue
Arbeitsplätze. Aktuell sind es 450 Mitarbeiter, davon arbeiten 100 im
Galileo-Team. Die OHB-Gruppe beschäftigt insgesamt 2300 Mitarbeiter.
Um die Satelliten ins All zu bringen, setzt die EU auf das
französische Raumfahrtunternehmen Arianespace. Für eine Gebühr von 30
Millionen Euro kaufte die EU eine Reservierung für bis zu drei Starts
mit Ariane-5-Raketen. Derzeit bringen russische Sojus-Trägerraketen
die Satelliten in den Weltraum. Astrium SAS soll für ebenfalls 30
Millionen Euro die derzeit genutzte Ariane-5-Rakete umbauen.
# dpa-Notizblock
## Internet
- [Mitteilung EU-Kommission](http://dpaq.de/tKa5W)
- [EU-Kommission zu Galileo](http://dpaq.de/DJjq9 und
http://dpaq.de/mcgQS)
- [OHB](http://dpaq.de/kjkEC)
## Orte
- [EU-Kommission](Rue de la Loi 200, B-1049 Brüssel, Belgien)
- [OHB](Karl-Ferdinand-Braun-Str. 8, Bremen)
