Verhandlungen in Athen laufen auf Hochtouren
03.02.2012 11:20
Griechenland bleibt nur noch wenig Zeit, um eine Staatspleite
abzuwenden. Eine Einigung mit den Banken auf einen Schuldenschnitt
scheint greifbar nahe. Athen stehen Tage der Wahrheit bevor.
Athen (dpa) - Die Verhandlungen über einen Schuldenschnitt und das
neue Spar- und Stabilisierungsprogramm laufen in Athen auf
Hochtouren. Private Gläubiger sollen auf einen Großteil ihrer
Forderungen gegenüber Athen verzichten, um dem hoch verschuldeten
Euroland wieder auf die Beine zu helfen. Bankenvertreter und
Griechenlands Regierung sehen die Gespräche auf der Zielgeraden. Über
Einzelheiten der Schuldenschnitt-Bedingungen und der neuen
Sparmaßnahmen wolle Ministerpräsident Lucas Papademos sich noch an
diesem Freitagabend oder spätestens Samstagnachmittag mit den
Parteichefs beraten, die seine Regierung unterstützen, verlautete aus
dem Büro des Regierungschefs.
Zusätzliche Einsparungen in Höhe von 4,4 Milliarden Euro stünden
an, hieß es in Medienberichten. Nach letzten Informationen steht der
Bericht der Troika aus EU-Kommission, Europäischer Zentralbank und
Internationalem Währungsfonds (IWF) über die Sparfortschritte Athens
und als Grundlage für einen weiteres Milliarden-Hilfsprogramm für
Athen in den kommenden Tagen bevor. «Dramatische Verhandlungen mit
der Troika», titelte die größte griechische Zeitung «Ta Nea»
(Freitag).
Dabei sieht es erstmals für Athen nach einem Hoffnungsschimmer
aus: Die Troika soll nach noch nicht offiziell bestätigten
Informationen festgestellt haben, dass das Haushaltsdefizit 2011 doch
über nicht über 10 Prozent der Wirtschaftsleistung gelegen habe, wie
zuvor von Athen angenommen. Es soll vielmehr zwischen 9,2 bis 9,4
Prozent gelegen haben. Athen soll zudem zusätzlich keine neuen
Schulden im zweiten Halbjahr 2011 gemacht haben, es sei unerwartet
ein kleiner sogenannter «primärer Überschuss» von 190 Millionen Eur
o
entstanden, wie dpa aus Kreisen des Finanzministeriums erfuhr. Dies
hatte sich Athen erst für 2012 als Ziel gesetzt.
Am Vorabend hatte EU-Währungskommissar Olli Rehn die griechischen
Anstrengungen gelobt. Das Land habe schon viel unternommen und das
Haushaltsdefizit gesenkt, sagte Rehn in Den Haag. Der griechische
Finanzminister Evangelos Venizelos zeigte sich vor Journalisten am
Donnerstagabend zuversichtlich: «Alles wird bis Sonntagabend fertig
sein».
Die Griechen müssen sich auf weitere harte Einsparungen
einstellen. Die Troika fordert Lohnkürzungen im privaten Sektor,
Abschaffung des 13. und 14. Monatsgehälter und weitere Kürzungen von
Renten sowie massive Entlassungen im staatlichen Sektor. Die
Arbeitskosten sollen in Griechenland weiter gesenkt werden. Über das
Ausmaß soll es aber noch kein Einvernehmen geben, wobei der IWF den
griechischen Arbeitnehmern mehr Opfer abverlangen wolle als die
EU-Kommission, sagten EU-Diplomaten dem «Handelsblatt» zufolge.
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## Internet
- [Zeitung «Ta Nea»](http://www.tanea.gr)
