Geldgeber suchen mehr Milliarden für Griechenland-Rettung

03.02.2012 11:26

Brüssel (dpa) - Die internationalen Geldgeber brauchen für ein
neues Rettungspakt für das hochverschuldete Griechenland mehr
Milliarden als bisher angenommen. Extra-Mittel seien nötig, da die
Wirtschaft in dem Krisenland schlechter laufe als erwartet, sagten
EU-Diplomaten am Freitag in Brüssel.

Das neue Paket könnte einen Umfang von 145 bis 150 Milliarden Euro
haben. EU und Internationaler Währungsfonds (IWF) waren bisher von
130 Milliarden Euro ausgegangen. Die «Troika» mit Experten von
Kommission, IWF und Europäischer Zentralbank (EZB) verhandelt derzeit
in Athen über die neuen Hilfen.

Diplomaten berichteten, dass die Kommissionsvertreter in der
Troika mehr auf die Budgetsanierung pochten, während die
IWF-Mitglieder auf Strukturreformen drängten. Umstritten sind demnach
vor allem Lohnkürzungen.

Deutlich sei inzwischen, dass die Einbeziehung von Banken und
Versicherungen - sie nehmen einen Schuldenschnitt hin - nicht
ausreicht, um Griechenland auf die Beine zu bekommen. «Die
Privatsektorbeteiligung reicht nicht aus, um den Schuldenstand bis
zum Ende des Jahrzehnts auf 120 Prozent der Wirtschaftsleistung zu
drücken», sagte ein Experte.

Die Geldgeber setzen darauf, dass auch die EZB und nationale
Notenbanken an Bord kommen. Da die EZB griechische Staatsanleihen
unter Marktwert gekauft habe, könnte sie auf künftige Gewinne
verzichten. Das Vorhaben ist aber heikel, da die Notenbanken
unabhängig sind und von der Politik nicht gezwungen werden können,
bei der Griechenland-Rettung mitzuziehen. Der Schritt müsste also
freiwillig sein.

Griechenland hat bereits ein Paket mit einem Umfang von 110
Milliarden Euro, das aber nach Einschätzung der Euro-Finanzminister
aus dem Ruder gelaufen ist, weil sich Athen nicht an Vereinbarungen
hielt. Das neue Paket kann erst endgültig geschnürt werden, wenn in
Athen die Verhandlungen zwischen Bankenvertretern und der Regierung
beendet werden. Das soll in den nächsten Tagen geschehen.

Die EU-Staats- und Regierungschefs hatten die Kassenhüter
aufgefordert, das neue Hilfspaket rasch zu billigen. Damit wird
Anfang kommender Woche gerechnet.

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