Kreise: Papademos übt mit Rücktrittsdrohungen Druck auf Parteien aus

03.02.2012 13:10

Athen (dpa) - Der griechische Ministerpräsident Lucas Papademos
soll nach Informationen aus Regierungskreisen mit Rücktrittsdrohungen
Druck auf die regierungsstützenden Parteien ausüben, um seine
Sparpolitik durchzusetzen. «Es ist augenscheinlich, wenn eine der
großen Parteien Nein zu notwendigen Maßnahmen sagt, wie dann jemand
reagieren wird», hieß es am Freitag aus dem unmittelbaren Umfeld des
Ministerpräsidenten. Zuvor hatte es in der griechischen Presse
Informationen gegeben, wonach Papademos plane, am Montag
zurückzutreten, wenn die Sozialisten und die Konservativen seinem mit
den internationalen Geldgebern (Troika) ausgehandelten Spar- und
Stabilisierungsplan nicht voll unterstützten.

Die Kontrolleure der EU, des Internationalen Währungsfonds (IWF)
und der Europäischen Zentralbank (EZB) - Troika genannt - bestehen
darauf, dass aufgrund der dramatisch sinkenden Wettbewerbsfähigkeit
des hochverschuldeten Euro-Landes auch die griechischen Löhne im
privaten Sektor gekürzt werden sollen. Vor allem die Sozialisten
weigern sich bislang dem zuzustimmen. Auch die Gewerkschaften lehnen
es ab. Die Troika fordert die Reduzierung des Mindestlohnes von
gegenwärtig brutto 751 Euro auf weniger als 650 Euro. Zudem sollen
das 13. und 14. Monatsgehalt sowie Renten gekürzt werden. Papademos
will die neuen Sparmaßnahmen vom Parlament absegnen lassen.

Über Einzelheiten der Schuldenschnitt-Bedingungen für Griechenland
und der neuen Sparmaßnahmen wolle Ministerpräsident Papademos noch an
diesem Freitagabend oder spätestens Samstagnachmittag mit den
Parteichefs beraten, die seine Regierung unterstützen, verlautete aus
dem Büro des Regierungschefs.

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