China zögert mit Hilfe für Europa: Merkel ohne konkrete Zusage Von Andreas Landwehr und Kristina Dunz, dpa

03.02.2012 15:39

Die Versprechen bleiben vage. China will den Europäern in der
Schuldenkrise helfen, hört die Kanzlerin bei ihrem Besuch. Doch wie
der Beitrag aussehen könnte, wird nicht verraten.

Peking/Guangzhou (dpa) - China zögert mit konkreten Hilfszusagen
zur Bewältigung der Schuldenkrise in Europa. Die chinesische Führung
versicherte Kanzlerin Angela Merkel bei ihrem Besuch in Peking zwar,
China wolle Unterstützung leisten und mit den Europäern enger
kooperieren, doch blieben viel Fragen offen. Vor dem Abschluss der
dreitägigen Reise der Kanzlerin am Samstag rätselten deutsche
Delegationskreise darüber, wie Chinas Beitrag aussehen könnte.
Hoffnungen auf schnelle Hilfe dämpfte China umgehend selbst.

«Wegen der Komplexität muss China eingehende Untersuchungen
anstellen, bevor es konkrete Schritte verkündet», kommentierte die
amtliche Nachrichtenagentur Xinhua die Gespräche der Kanzlerin. Die
weltgrößten Devisenreserven müssten behutsam angelegt werden, sonst
könnte es Unruhe in der Bevölkerung geben. Ohnehin gehe es nicht
allein um Finanzierung. «Um aus der Krise zu marschieren, sind
Sparmaßnahmen entscheidend, während Maßnahmen zur Ankurbelung des
Wachstums auch nötig sind», kommentierte die Staatsagentur.

Zuvor hatten deutsche Regierungskreise den chinesischen Staats-
und Parteichef Hu Jintao noch aus dem Gespräch mit der Kanzlerin
zitiert, es werde an chinesischer Unterstützung «nicht fehlen». Auch

Regierungschef Wen Jiabao sagte bei Wirtschaftsgesprächen in der
südchinesischen Metropole Guangzhou: «China ist bereit, mit Europa zu
kooperieren, um gegen die gegenwärtige Krise anzugehen.» Deutschen
Regierungskreisen bleibt aber nichts anderes, als auf Klärung zu
hoffen: «Wir werden jetzt sehen, wie das in die Tat umgesetzt wird.»

Bisher habe sich Chinas Führung nur über den Internationalen
Währungsfonds (IWF) an Hilfen für Europa engagieren wollen, in den
Gesprächen mit Merkel aber erstmals auch den Euro-Rettungsschirm
genannt, hoben Regierungskreise hervor. Nach den Gesprächen mit der
Kanzlerin sagte Wen Jiabao, China sehe sich den Rettungsschirm EFSF
und seinen im Sommer geplanten Nachfolger ESM an. Staatsmedien
zitierten ihn dann sogar mit den Worten, China denke darüber nach,
sich an den Bemühungen zur Lösung der Schuldenkrise über den
Euro-Rettungsschirm «stärker zu beteiligen».

Deutsche Regierungskreise wollten die Aussagen nicht bewerten,
verwiesen aber darauf, dass der EU-China-Gipfel am 14. Februar in
Peking Klarheit bringen könnte. Wen Jiabao wies Ängste in Europa vor
einer engeren Kooperation bei der Überwindung der Krise zurück.
«Einige Leute sagen, das bedeutet, dass China Europa aufkaufen will»,
sagte Wen Jiabao bei den Wirtschaftsgesprächen. «Das ist eine Sorge,
die mit der Realität nichts zu tun hat», sagte er. «China hat weder
die Absicht noch die Fähigkeiten dazu.»

Bei den Wirtschaftsgesprächen mit Spitzenvertretern deutscher und
chinesischer Unternehmen warb Merkel ausdrücklich um chinesische
Investitionen. «Deutschland ist ein offenes Land», sagte die
Kanzlerin. «Chinesische Unternehmen sind in Deutschland willkommen.»
Die Kanzlerin forderte China umgekehrt zu einer weiteren Öffnung
seines Marktes auf. Deutsche Unternehmen wollten in China die
gleichen Bedingungen wie chinesische Unternehmen haben.

Wen Jiabao sprach sich für eine enge Zusammenarbeit mit
Deutschland in der Krise aus. Er mahnte die Europäer, selbst größere

Anstrengungen zu unternehmen und nötige Reformen in der Haushalts-
und Finanzpolitik zu verfolgen. China verfügt mit 3,18 Billionen
US-Dollar über die weltgrößten Devisenreserven. Davon wird nach
Schätzungen ein Viertel in Euro gehalten. Wen Jiabao begleitete die
Kanzlerin auf der zweiten Station ihrer dreitägigen Reise in
Guangzhou, was Diplomaten als «besondere Geste» werteten.

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