(Zusammenfassung 1015) Umfrage: Bundesbürger misstrauen europäischer Krisenpolitik

16.11.2013 10:20

Nach Abzug der Inflation verlieren Anleger auf dem Sparbuch oder dem
Tagesgeldkonto Geld. Zwar legen die meisten Deutschen deshalb nicht
weniger auf die hohe Kante - aber die Angst um die eigene
Altersvorsorge ist groß.

Köln/Frankfurt (dpa) - Die Menschen in Deutschland stellen der
europäischen Krisenpolitik ein verheerendes Zeugnis aus. Auch wenn
sich die Finanzmärkte zuletzt beruhigt haben und Irland und Spanien
den Euro-Rettungsschirm bald verlassen wollen: Nach einer
repräsentativen Online-Umfrage des Meinungsforschungsinstituts YouGov
misstrauen 72 Prozent der Bundesbürger der Krisenstrategie von
Regierungen, EU und Europäischer Zentralbank (EZB). Nur 15 Prozent
vertrauen Politik und Notenbank.

Insbesondere die Niedrigzinspolitik der EZB macht den Menschen zu
schaffen. 56 Prozent der Befragten machen sich Sorgen um ihre
Altersvorsorge - denn die Inflation frisst die Zinsen auf. Sie macht
es auch Lebensversicherern immer schwieriger, die Garantieverzinsung
zu erwirtschaften. Der Bundesverband der Deutschen Volksbanken und
Raiffeisenbanken (BVR) hatte kürzlich vor einer Erosion der deutschen
Spar- und Vorsorgekultur gewarnt, wenn die niedrigen Zinsen zum
Dauerzustand werden. Seither hat die EZB den Leitzins nochmals
gesenkt - auf das Rekordtief von 0,25 Prozent.

Trotzdem spart nach der Umfrage nur jeder Vierte (26 Prozent)
angsichts der mickrigen Zinsen weniger, jeder Dritte (35 Prozent)
gibt mehr Geld als sonst für den Konsum aus. Mit 62 Prozent der
Befragten hat die Mehrheit hingegen weder ihr Spar- noch ihr
Konsumverhalten geändert. Um die eigentlich geplante Summe für die
Altersvorsorge anzusammeln, müssten die Menschen tatsächlich aber
sogar mehr Geld auf die hohe Kante legen als bei einer höheren
Verzinsung.

«Ein Großteil der Leute spart so wenig, dass sich der Aufwand gar
nicht lohnt, etwas anzupassen», sagte YouGov-Finanzexperte Guido
Kiell. Viele Menschen wollten sich mit dem Thema Geldanlage auch
lieber gar nicht beschäftigen oder sie legten ihr Geld automatisiert
in Sparplänen an. «Da reagieren die Menschen nicht so schnell, wenn
sich die Zinsen ändern.»

Bundesbank-Präsident Jens Weidmann hatte erst am Mittwoch betont,
dass er die Sorgen vor einer «schleichenden Enteignung der deutschen
Sparer» nachvollziehen könne. Allerdings sei es ja gerade das Ziel
der expansiven Geldpolitik, kurzfristig die Nachfrage zu stärken:
«Bildlich gesprochen also Sparer vorübergehend stärker zu Konsumenten

und Investoren zu machen. Entsprechend ist die deutsche Sparquote
derzeit auf dem niedrigsten Niveau seit Anfang 2002.»