Euroland Slowenien kriegt die Kurve - Wirtschaft auf Erholungskurs Von Thomas Brey, dpa

01.06.2015 06:30

Vor eineinhalb Jahren sah Slowenien noch wie der nächste Fall für den
Euro-Rettungsschirm aus. Das ist längst Geschichte. Doch ist die
jüngste Erholung von Dauer?

Ljubljana (dpa) - Die Regierung und die Nationalbank sagen es. Die
wichtigste Zeitung «Delo» sowie das Forschungsinstitut IMAD
ebenfalls. Und sogar die EU-Kommission: Der einstige Musterknabe
Slowenien, der Ende 2013 trotzdem nur knapp dem Euro-Rettungsschirm
entkam, ist wieder auf klarem Erholungskurs.

Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) wuchs im letzten Jahr um 2,6 Prozent
und soll im laufenden und im kommenden Jahr weiterhin deutlich über
zwei Prozent liegen. «Zuversicht auf dem Höchststand seit Ausbruch
der Krise», ist auch das Ergebnis der jüngsten Konjunkturumfrage bei
deutschen Unternehmen in dem Alpen-Adria-Land.

Die Schieflage des fast ausschließlich staatlichen Bankensektors
hatte die gesamte slowenische Wirtschaft an den Abgrund gebracht.
Drei Banken wurden abgewickelt, andere fusioniert, der Staat schoss
4,8 Milliarden Euro zu, eine «Bad Bank» wurde eingerichtet,
beschreibt die stellvertretende Nationalbank-Gouverneurin Stanislava
Zadravec Caprirolo die Rezepte gegen die Krise. Heute seien die
faulen Kredite mit 4,2 Milliarden Euro rückläufig. Der Bankensektor
werde in laufenden Jahr erstmals wieder profitabel sein.

Die durch die Bankensanierung sprunghaft auf 81 Prozent des BIP
gestiegene Staatsverschuldung sei beherrschbar, ist sich der
Ökonomieprofessor und Finanzminister Dusan Mramor sicher. «Heute sind
die von uns verlangten Zinsen auf den internationalen Kapitalmärkten
niedriger als in Spanien und Portugal», führt er als Beleg an.

«Wir stehen allerdings erst am Anfang des Genesungsprozesses», warnt
Bostjan Vasle, Direktor des Instituts für makroökonomische Analysen
(IMAD). Daher könnte die exportorientierte Wirtschaft Sloweniens
durch eine Eintrübung der internationalen Wirtschaft nach einem
eventuellen Ausscheiden Griechenlands aus der Eurozone (Grexit) arg
gebeutelt werden.

Ein Schlüssel für die dauerhafte Bewältigung der einstigen Krise ist

die Privatisierung des Staatsbesitzes, der immer noch rund elf
Milliarden Euro ausmacht. Daher stehen diese Bemühungen auch im
Mittelpunkt seiner Politik, sagt Regierungschef Miro Cerar. Trotz des
Widerstandes gegen eine zu radikale Privatisierung bei den
Koalitionspartnern habe seine Regierung eine «Strategie für das
Staatseigentum» verabschiedet, die «noch vor dem Sommer» im Parlament

beschlossen werden soll.

Von den Betrieben im Staatsbesitz sollen danach 47 vollständig in
private Hände gehen, erklärt Cerar die Ziele. In 24 Unternehmen wolle
der Staat eine Sperrminorität von 25 Prozent plus einer Aktie
behalten, in weiteren 24 strategischen Firmen wenigstens 51 Prozent.

Diese Gewichtung orientiere sich an den Empfehlungen der OECD, wirbt
der 51-Jährige - der als Verfassungsjurist und Quereinsteiger noch
nicht einmal neun Monate an der Spitze der Regierung steht - für sein
Konzept. Bisher sind vier Staatsunternehmen verkauft worden, zwei von
ihnen nach Deutschland.

Die Bundesrepublik ist mit einem Handelsaustausch im Wert von knapp
neun Milliarden Euro der wichtigste Wirtschaftspartner der früheren
jugoslawischen Republik mit nur zwei Millionen Einwohnern. Auch bei
den ausländischen Investitionen stehen hier deutsche Firmen -
einschließlich ihrer Töchter in Österreich - an erster Stelle.

Das Parade-Unternehmen Hidria ist folgerichtig eng mit dem großen
Partner verbunden. Für die Premium-Automarken Porsche, Mercedes, Audi
und BMW, aber auch für Peugeot, Volvo und Jaguar werden Achsen,
elektrische Motoren, Teile für Hybrid- und Elektroantriebe gefertigt.

Ein Drittel des Weltmarktes für die Diesel-Kaltstart-Technologie
steht in den Auftragsbüchern. 2500 Mitarbeiter setzen 250 Millionen
Euro um, zehn Jahre zuvor waren es erst 10 Millionen. «Wir waren ein
Niemand und sind jetzt einer der Marktführer», beschreibt
Geschäftsführer Iztok Seljak die Entwicklung.



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