UN: EU-Unterstützung für Küstenwache in Libyen «unmenschlich»

14.11.2017 12:56

Genf (dpa) - Die Vereinten Nationen haben die EU-Politik der Hilfen
für die libysche Küstenwache zum Abfangen von Flüchtlingen und
Migranten im Mittelmeer scharf kritisiert. Dadurch sei die Zahl der
Menschen deutlich gestiegen, die unter entsetzlichen Bedingungen in
Haftzentren eingepfercht seien, sagte der UN-Hochkommissar für
Menschenrechte, Said Raad al-Hussein, am Dienstag in Genf. Viele
werden nach eigenen Angaben von den Wachen geschlagen.

Italien und die EU unterstützen die libysche Küstenwache seit dem
Sommer, die Flüchtlingsboote vermehrt an der Weiterfahrt nach Europa
hindert und die Menschen in Libyen in Lager sperrt. Die EU-Politik
sei «unmenschlich», so Al-Hussein. Nach libyschen Angaben befinden
sich in den Lagern 19 900 Menschen. Im September waren es erst 7000.

Seine Mitarbeiter seien nach Besuchen in den Haftzentren schockiert
gewesen, so Al-Hussein. «Sie sahen tausende ausgemergelte und
traumatisierte Männer, Frauen und Kinder, übereinandergestapelt,
weggeschlossen in Hallen ohne Versorgung mit dem Nötigsten und ihrer
menschlichen Würde beraubt.» Viele seien in den Fängen von Schleppern

gewesen, gefoltert, vergewaltigt, entführt und ausgehungert worden.
Ein Mann berichtete, es gebe keine Duschen, viele Menschen seien
krank, viele lägen schon bewusstlos am Boden.

«Die internationale Gemeinschaft kann angesichts der unvorstellbaren
Horrorzustände dort nicht einfach wegschauen und so tun, als könne
Abhilfe geschaffen werden, in dem man die Lage in den Haftzentren
verbessert.» Minister aus 13 europäischen und afrikanischen Ländern
hatten am Montag in der Schweiz versprochen, sich für eine
Verbesserung einzusetzen. Konkrete Beschlüsse fassten sie aber nicht.



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