Gabriel sagt 20 Millionen Euro für Rohingya-Flüchtlinge zu

19.11.2017 13:04

Es ist die wohl schlimmste aktuelle Flüchtlingskrise. 620 000
muslimische Rohingya aus Myanmar sind innerhalb von nur drei Monaten
nach Bangladesch geflüchtet. Außenminister Gabriel macht sich ein
Bild von der Lage - und verspricht Hilfe.

Cox's Basar (dpa) - Außenminister Sigmar Gabriel hat 20 Millionen
Euro Nothilfe für die muslimischen Rohingya-Flüchtlinge aus dem
südostasiatischen Myanmar zugesagt. Bei einem Besuch in einem
Flüchtlingscamp im Nachbarland Bangladesch sprach er am Sonntag von
einer «dramatischen» Lage. «Was wir hier gesehen haben, ist eine
katastrophale Lebenssituation für die Menschen hier.»

Der SPD-Politiker besuchte das Aufnahmelager gemeinsam mit seinen
Amtskollegen aus Schweden und Japan sowie der EU-Außenbeauftragten
Federica Mogherini. Insgesamt sind mehr als 830 000 Menschen aus
Myanmar vor Gewalt und Verfolgung geflohen. In der Region Cox's
Basar, die die Minister besuchten, leben  Hunderttausende von ihnen.

Deutschland hatte bereits im Oktober fünf Millionen Euro für die
Flüchtlingshilfe in Bangladesch zugesagt. Mit dem jetzt zusätzlich
zugesagten Geld soll die Versorgungslage stabil gehalten werden. Die
Vereinten Nationen haben bis Februar 2018 einen Bedarf von 434
Millionen US-Dollar (368 Millionen Euro) angemeldet. 360 Millionen
Dollar (305 Millionen Euro) waren bei einer Geberkonferenz in Genf im
Oktober zusammengekommen.

Gabriel betonte aber auch, dass mit Myanmar über
Rückkehrmöglichkeiten für die Flüchtlinge gesprochen werden müsse

Am Abend wollte der Außenminister, der bis zur Bildung einer neuen
Bundesregierung nur noch geschäftsführend im Amt ist, zu einem
Asien-Europa-Außenministertreffen (Asem) in Myanmars Hauptstadt
Naypyidaw weiterreisen. Dort wird er auch die myanmarische
Regierungschefin und Friedensnobelpreisträgerin Aung San Suu Kyi
treffen, der vorgeworfen wird, kaum etwas zur Lösung der
Flüchtlingskrise beizutragen.

Allein in den vergangenen drei Monaten sind 620 000 Menschen über die
Grenze nach Bangladesch geflohen - in eines der ärmsten Länder der
Welt. Auslöser war ein Angriff einer Rohingya-Miliz auf Posten der
myanmarischen Sicherheitskräfte am 25. August. Die Armee reagierte
darauf nach eigener Darstellung mit einer «Räumungsoperation» in den

Dörfern der damals rund eine Million Rohingya in der Region Rakhine.

Das Flüchtlingshilfswerk UNHCR spricht von der «am schnellsten
wachsenden Flüchtlingskatastrophe» weltweit. Flüchtlinge und
Menschenrechtsorganisationen berichten von rund 300 niedergebrannten
Dörfern, brutalen Morden, Vergewaltigungen und Vertreibungen.
Gesicherte Informationen gibt es aber nicht.



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