Lebenserwartung in Deutschland kürzer als in Spanien oder Italien

23.11.2017 17:14

Die Menschen in Deutschland sind heute im Schnitt gesünder als noch
vor einigen Jahren. Doch im EU-Vergleich schneidet die Bundesrepublik
nur mittelmäßig ab.

Brüssel (dpa) - Die Lebenserwartung in Deutschland steigt langsamer
als in anderen EU-Staaten und ist deutlich kürzer als etwa in Spanien
oder Italien. Die Bundesrepublik kommt damit im Vergleich der
Gesundheitssysteme nur auf Platz 18 der 28 EU-Länder. Dies geht aus
einem am Donnerstag veröffentlichten Länderbericht der EU-Kommission
hervor. Eine Rolle spielen demzufolge beeinflussbare Risiken wie
Alkohol, Rauchen und Fettleibigkeit. Gleichzeitig gibt Deutschland
besonders viel Geld für Gesundheit aus.

Dem EU-Report zufolge kann ein 2015 in Deutschland geborenes Baby
statistisch gesehen mit einer Lebenserwartung von 80,7 Jahren rechnen
- ein deutlicher Anstieg von den 78,3 Jahren im Jahr 2000. Die
Menschen in Deutschland seien heute im Schnitt auch gesünder als
damals, hieß es in dem Bericht.

Allerdings wuchs im EU-Schnitt die Lebenserwartung schneller, nämlich
von 77,3 Jahren auf 80,6 Jahre. Der deutsche Vorsprung von damals ist
also fast verschwunden. In Spanien liegt die Lebenserwartung mit 83
Jahren auch deutlich höher, ebenso in Italien mit 82,7 und in
Frankreich mit 82,4 Jahren - sowie in 14 anderen EU-Ländern. Am
schwächsten schnitten Lettland mit 74,8, Bulgarien mit 74,7 und
Litauen mit 74,6 Lebensjahren ab.

Die häufigsten Todesursachen in Deutschland bleiben
Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Krebs. Erstere gingen aber seit dem
Jahr 2000 zurück, während Krebs als Todesursache zunahm, wie es
weiter hieß. Auch Demenzerkrankungen wie Alzheimer sind dem Bericht
zufolge inzwischen deutlich häufiger für Todesfälle verantwortlich:
Von 6000 im Jahr 2000 wuchs die Zahl auf 35 000 oder vier Prozent
aller Todesfälle 2014.

Übergewicht, Rauchen und Alkohol sind nach Darstellung des Berichts
in Deutschland teils ein größeres Problem als in anderen Ländern.
Zwar tranken die Menschen in Deutschland mit durchschnittlich 11,0
Litern Alkohol 2015 zwei Liter weniger als im Jahr 2000. Doch lag das
immer noch einen Liter über dem EU-Durchschnitt. Beim gefährlichen
Rauschtrinken rangiert Deutschland dem Bericht zufolge auf Platz fünf
aller EU-Länder. Jeder Dritte gibt an, sich bisweilen zu betrinken.

Auch der Anteil fettleibiger Erwachsener liege mit 16 Prozent leicht
über dem EU-Schnitt (15 Prozent) und habe sich seit 2003 um fast ein
Drittel erhöht, hieß es weiter. 2014 rauchten 21 Prozent der
Erwachsenen in Deutschland, was in etwa dem EU-Schnitt entspreche.
Bis zu 28 Prozent der «Krankheitslast» gehe auf verhaltensbedingte
Risikofaktoren zurück, resümiert der Bericht.

Die Gesundheitsausgaben liegen in Deutschland im EU-Vergleich jedoch
besonders hoch. 2015 wurden pro Kopf 3996 Euro ausgegeben, 43 Prozent
mehr als der EU-Durchschnitt. Das war Rang zwei hinter Luxemburg.
Insgesamt beliefen sich die deutschen Gesundheitskosten auf 11,2
Prozent des Bruttoinlandsprodukts, während es im EU-Schnitt nur 9,9
Prozent waren.



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