EZB: Deutsche sind Bargeldkönige der Eurozone

24.11.2017 11:48

Bei Münzen und Scheinen in der Tasche liegen die Deutschen in Europa
ganz vorne. Doch nicht nur die Bundesbürger hängen am Cash. Bargeld
spielt auch sonst eine weit größere Rolle als oft angenommen.

Frankfurt/Main (dpa) - In Deutschland haben Verbraucher laut einer
Studie der Europäischen Zentralbank (EZB) so viel Bargeld in der
Brieftasche wie in keinem anderen Land der Eurozone. 2016 trugen die
Bundesbürger im Schnitt 103 Euro bei sich - im Mittel der Euroländer
waren es nur 65 Euro. Auf den weiteren Plätzen folgen Luxemburg (102
Euro) und Österreich (89). Am wenigsten Bargeld im Portemonnaie haben
Portugiesen (29), Franzosen (32) und Letten (41).

Das Papier zeigt, dass Cash bei Verbrauchern in Europa beliebter ist
als oft angenommen. So prophezeiten Experten mit der Verbreitung von
bargeldlosen Zahlmitteln schon ein Ende von Scheinen und Münzen.
Dafür fehlt es nach Ansicht der EZB aber noch an der nötigen Technik.


Die Deutschen zählen nicht nur beim Geld in der Brieftasche, sondern
auch bei Barzahlungen an der Kasse zur Spitzengruppe. 80 Prozent der
Transaktionen werden hierzulande in Cash bezahlt. Noch mehr sind es
indes in Malta (92 Prozent), Zypern (88), Spanien (87) und Italien
(86). Die Deutschen sind mit ihrer Treue zum Cash also nicht alleine.

Trotz der Verbreitung von bargeldlosen Verfahren bleibe Cash das
dominierende Zahlungsmittel, stellt die EZB fest, die für die Analyse
mehr als 65 000 Bürger befragt hat. Im Schnitt der Eurozone seien 79
Prozent aller Zahlungen an Kassen in bar gewesen, Karten folgten mit
19 Prozent erst mit großem Abstand. «Das scheint die Wahrnehmung
in Frage zu stellen, dass Cash schnell von bargeldlosen Zahlverfahren
ersetzt wird», folgert die Notenbank.

Es gebe jedoch ein Gefälle zwischen den «cashtreuen» südlichen
Ländern sowie Deutschland, Österreich und Slowenien einerseits und
Ländern wie Finnland, Estland und den Niederlanden andererseits. So
wurden in den Niederlanden nur 45 Prozent der Zahlungen an der Kasse
in bar abgewickelt. Ähnlich war es in Estland (48) und Finnland (54).

Auch bei Geschlecht und Alter gibt es Unterschiede. So nutzten Männer
tendenziell häufiger als Frauen Bargeld. Auch zahlten Menschen über
40 Jahren öfter mit Münzen und Scheinen als Jüngere. Das
Bildungsniveau spiele hingegen keine größere Rolle.

Die Beliebtheit von Bargeld erklärt die EZB auch mit den Summen im
Alltag. Fast zwei Drittel der Beträge an Kassen lagen demnach unter
15 Euro. Bis 45 Euro sei aber Cash das populärste Zahlungsmittel.

Die Menschen nutzten Bares aber nicht nur zum Zahlen. Rund ein
Viertel lagere Geld als Sicherheitsreserve zu Hause. Zudem zahlten
verblüffend viele Verbraucher mit großen Euro-Scheinen: Fast 20
Prozent gaben an, dass sie zuletzt 200- oder 500-Euro-Noten besaßen.

Indes glaubt die EZB, dass sich bargeldlose Verfahren wie
kontaktloses Zahlen per Karte oder Smartphone-App ausbreiten, sobald
sie an der Kasse öfter akzeptiert werden. In Ländern wie Deutschland,
wo Karten oft gar nicht angenommen würden, dürften Barzahlungen dann
abnehmen. Darauf ließen Erfahrungen in Staaten schließen, wo
kontaktloses Zahlen mit der entsprechenden Technik schnell wuchs.

Gegen ein baldiges Ende des Bargelds in Deutschland spricht jedoch
die Tatsache, dass die Bundesbürger viel Wert auf Datenschutz legen
und Bedenken bei neuen Techniken haben. Das zeigte jüngst eine Studie
der Beratungsgesellschaft BCG. Sie stellte fest: «Nur ein Viertel der
Verbraucher glauben, dass bargeldlose Zahlungen sicher sind.»



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