Lufthansa-Air-Berlin-Deal nähert sich erster Entscheidung in Brüssel Von Alkimos Sartoros, dpa

29.11.2017 16:57

Die wettbewerbsrechtliche Prüfung der Air-Berlin-Übernahme durch die
Lufthansa geht in die heiße Phase. Ein erstes Votum könnte kommende
Woche fallen. Entscheidende Frage: Macht Lufthansa noch
Zugeständnisse?

Brüssel (dpa) - Die kartellrechtliche Prüfung großer Teile der
Air-Berlin-Übernahme durch die Lufthansa steuert auf eine
Vorentscheidung zu. Die Frist für die erste Prüfphase läuft bis 7.
Dezember. «Die Untersuchung dauert an, und wir können ihr Ergebnis zu
diesem Zeitpunkt nicht vorwegnehmen», sagte ein Sprecher der
EU-Kommission am Mittwoch in Brüssel. Berichten zufolge könnte sich
die Kommission vor allem an der angepeilten Niki-Übernahme stoßen.

Die Lufthansa will mit den Teilgesellschaften LG Walter und Niki für
210 Millionen Euro einen beträchtlichen Teil des Flugbetriebs von Air
Berlin mit 81 Jets und den dazugehörigen Verkehrsrechten übernehmen.
Wegen der Dimension des Geschäfts müssen die Folgen für den
Wettbewerb auf europäischer Ebene überprüft werden.

Die in Wien ansässige Niki und Lufthansa bedienen derzeit Dutzende
gleiche Strecken. Die EU-Kommission muss unter anderem prüfen, ob
durch die Übernahme eine Monopolstellung der Lufthansa und damit
möglicherweise schlechtere Bedingungen für Flugreisende entstehen
könnten.

Die Kartellwächter können die Übernahme nach Ablauf der ersten
Prüfphase - gegebenenfalls unter Auflagen beziehungsweise nach
Entgegenkommen der Lufthansa - durchwinken oder aber eine vertiefte
Prüfung einleiten. Letzteres erscheint derzeit wahrscheinlicher. In
der Vergangenheit hat die EU-Kommission aber vergleichbare große
Fälle wie etwa die Fusion der Biergiganten Anheuser Busch und
SABMiller nach Zusagen auch schon in der ersten Phase gebilligt.

«Niki wartet die Entscheidung aus Brüssel ab», sagte ein
Airline-Sprecher der Deutschen Presse-Agentur. Lufthansa äußerte sich
dazu nicht.

Angesichts dessen brachten sich auch andere Interessenten wieder in
Stellung. «Normalerweise darf eine gescheiterte Gesellschaft nur dann
von dem dominanten Anbieter übernommen werden, wenn es keine
Alternative gibt», sagte der Flugsparten-Chef des Reisekonzerns
Thomas Cook, Christoph Debus, der «Frankfurter Allgemeinen Zeitung».
«Im Fall von Niki hat es bekanntermaßen mehrere Alternativen
gegeben.» Zu Thomas Cook gehört auch die deutsche Gesellschaft
Condor, die ebenfalls Interesse an Niki gezeigt hatte.

Auch der Ex-Rennfahrer und Unternehmer Niki Lauda rechnet sich nun
wieder Chancen aus. Er werde zusammen mit Thomas Cook erneut für die
Fluglinie bieten, wenn die EU-Kommission die Übernahme durch die
Lufthansa nicht genehmigen sollte. «Wir sind gesprächsbereit. Die
sich abzeichnende Entscheidung in Brüssel kommt mir gelegen», sagte
Lauda, der die Ferienfluglinie einst gegründet hat, dem
«Handelsblatt» in Wien. Sein Angebot zusammen mit Thomas Cook gelte
nach wie vor.

Lauda sieht sich in seiner Kritik an der Übernahme von Air Berlin und
Niki durch die Lufthansa bestätigt. «Die Übernahme der Air Berlin
schafft quasi ein Monopol in Deutschland und Österreich. Das ist
fürchterlich», sagte er. Der Österreicher betreibt heute mit seinem
Unternehmen Lauda Motion eine Privatjet-Gesellschaft in Wien.

Die Lufthansa wird zudem bereits jetzt auf ihren Heimatmärkten nach
dem Ausscheiden von Air Berlin wegen hoher Ticketpreise kritisiert.
Das Unternehmen betonte erneut, dass man für den fünfmonatigen
Winterflugplan mehr als 700 000 zusätzliche Sitzplätze eingeplant
habe, um das Angebot zu stabilisieren. Unter anderem werden
Boeing-Jumbo-Jets auf der Strecke Frankfurt-Berlin eingesetzt. An den
Preissystemen sei nichts geändert worden, hatte die Airline zuvor
stets betont. Rund 45 Prozent der ehemaligen Air-Berlin-Kapazität
würden so den Gästen zur Verfügung gestellt.



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