Lufthansa macht Zugeständnisse für Air-Berlin-Übernahme Von Christian Ebner und Alkimos Sartoros, dpa

01.12.2017 11:24

Wird die Lufthansa mit der Übernahme großer Teile von Air Berlin zu
stark am Luftverkehrsmarkt? Das befürchten die Wettbewerbshüter der
EU, deren Zweifel nun mit Zugeständnissen ausgeräumt werden sollen.

Brüssel/Frankfurt (dpa) - Im wettbewerbsrechtlichen Kampf um die
Übernahme großer Teile der Air Berlin hat die Lufthansa weitgehende
Zugeständnisse gemacht. Kurz vor Ablauf der Frist habe das
Unternehmen der EU-Kommission angeboten, auf substanzielle Start- und
Landerechte an großen Flughäfen zu verzichten. Dies sagte am Freitag

eine mit dem Verfahren vertraute Person.

Die Brüsseler Behörde bestätigte den Eingang der Vorschläge, mit
denen die kartellrechtlichen Folgen der Übernahme gelindert werden
sollen. Nähere Einzelheiten wollten beide Seiten nicht nennen.

Dem Vernehmen nach will die Lufthansa auf Slots der
Air-Berlin-Tochter Niki etwa in Düsseldorf, Berlin oder Palma de
Mallorca verzichten. Die Frist für eine Entscheidung verlängere sich
damit nun bis zum 21. Dezember, teilte die Kommission mit. Der
Frankfurter Dax-Konzern will mit den Teilgesellschaften LG Walter und
Niki für 210 Millionen Euro einen beträchtlichen Teil des
Flugbetriebs von Air Berlin mit 81 Jets und den dazugehörigen
Verkehrsrechten übernehmen.

Die EU-Wettbewerbshüter sind bei Firmenzusammenschlüssen zuständig,
wenn der Umsatz aller Beteiligten zusammen mindestens fünf Milliarden
Euro beträgt. Sie müssen unter anderem prüfen, ob durch die Übernah
me
in diesem Fall eine Monopolstellung der Lufthansa und möglicherweise
schlechtere Bedingungen wie zum Beispiel höhere Preise für
Flugreisende entstehen könnten.

Die Lufthansa hatte bis Mitternacht Zeit, den Bedenken
entgegenzukommen. Zuletzt hatte sich abgezeichnet, dass die
Kommission insbesondere die Übernahme des nicht insolventen
Ferienfliegers Niki kritisch sieht. An der Wiener Gesellschaft hatten
in den vergangenen Tagen die Konzerne Thomas Cook (Condor) und IAG
(British Airways, Iberia, Vueling) wieder Interesse gezeigt, nachdem
sie im Bieterverfahren der Air-Berlin-Insolvenzverwaltung zunächst
nicht zum Zuge gekommen waren.

Die EU-Wettbewerbshüter können den Deal nun bis zum 21. Dezember -
gegebenenfalls unter Auflagen - durchwinken oder aber eine vertiefte
Prüfung einleiten. Dafür wären nochmals 90 Arbeitstage vorgesehen.

Bis zur kartellrechtlichen Entscheidung der EU hält der
Lufthansa-Konzern die Gesellschaften Niki und LG Walter vorläufig mit
Millionenspritzen in der Luft, um die Flugrechte der beiden
Air-Berlin-Töchter zu bewahren. Sollte die geplante Übernahme einer
oder beider Gesellschaften scheitern, droht laut Lufthansa-Kreisen
ein abrupter Zahlungsstopp.

Falls dann kein anderer Investor einspringen würde, müsste der
Flugbetrieb umgehend aufgegeben werden. Auch der von der
Bundesrepublik verbürgte KfW-Kredit über 150 Millionen Euro an die
Air Berlin könnte dann wahrscheinlich nicht zurückgezahlt werden.



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