Kreise: Brüssel befragt Marktteilnehmer zum Lufthansa-Air-Berlin-Deal

06.12.2017 13:38

Brüssel/Frankfurt (dpa) - Wegen der geplanten Übernahme weiter Teile
der insolventen Fluglinie Air-Berlin durch die Lufthansa holen die
EU-Wettbewerbshüter Kreisen zufolge Feedback von anderen
Marktteilnehmern ein. Ziel der Befragung sei es, die Analyse der
EU-Kommission mit Einschätzungen von Unternehmen und Anbietern zu
ergänzen, hieß es am Mittwoch aus Branchenkreisen. In
EU-Wettbewerbsfällen ist es üblich, dass die EU-Kommission ein
derartiges Verfahren startet.

Lufthansa will mit den Teilgesellschaften LG Walter und Niki für 210
Millionen Euro einen erheblichen Teil des Flugbetriebs von Air Berlin
mit 81 Jets und den dazugehörigen Verkehrsrechten übernehmen. Die
EU-Kommission muss bei europaweit relevanten Zusammenschlüssen
prüfen, ob Wettbewerbsverzerrungen oder Nachteile für Verbraucher
entstehen könnten.

Die Frist für die erste Phase des Prüfverfahrens läuft bis 21.
Dezember. Die EU-Kommission kann dann entscheiden, die Übernahme -
gegebenenfalls unter Auflagen - durchzuwinken, oder aber eine
vertiefte Prüfung einzuleiten. Für die wären noch einmal 90
Arbeitstage Zeit.

Die Lufthansa hatte in der vergangenen Woche Zusagen nach Brüssel
gesendet. «Wir übernehmen praktisch eine Niki sozusagen ohne Slots,
wenn es dann zum OK der Europäischen Kommission kommt», sagte
Lufthansa-Vorstandschef Carsten Spohr dazu unlängst. In Düsseldorf
sollten gar keine Start- und Landerechte mehr bei dem
österreichischen Ferienflieger bleiben, in Palma de Mallorca nur
einige wenige, meinte der Chef des größten Luftverkehrskonzerns
Europas.

Branchenkreisen zufolge würden allerdings über LG Walter attraktive
Slots zu Stoßzeiten in Düsseldorf an Lufthansa fallen, der Konzern
will demzufolge zudem Start- und Landerechte auch in Berlin-Tegel und
München behalten. Sollten Slots aus der Übernahme ausgeklammert
werden, gingen sie grundsätzlich zunächst wieder in einen Slot-Pool
zurück und würden vom Koordinator der dem Bundesverkehrsministerium
unterstellten Behörde nach feststehenden Regularien neu verteilt. Um
50 Prozent der Slots an den Flughäfen könnten sich neue Anbieter
bewerben, 50 Prozent sind für Bestandskunden vorgesehen. Weitere
Start- und Landerechte von Niki könnten damit letztlich wiederum an
die Lufthansa fallen.



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