Heiligabend auf dem Kriegsschiff Interview: Ansgar Haase, dpa

22.12.2017 11:55

Kann auf einem Kriegsschiff vor der Küste Libyens Weihnachtsstimmung
aufkommen? Die mehr als 220 deutschen Soldaten auf der Fregatte
«Mecklenburg-Vorpommern» haben dafür zumindest alle möglichen
Vorbereitungen getroffen. Auch Helene Fischer darf nicht fehlen.

Östliches Mittelmeer (dpa) - Afghanistan, Mali, Jordanien: Mehr als
3700 Bundeswehrsoldaten verbringen Weihnachten weit entfernt von der
Heimat. Dazu gehören in diesem Jahr erstmals auch die
Besatzungsmitglieder der Fregatte «Mecklenburg-Vorpommern», die
Deutschland für den EU-Einsatz «Sophia» gegen Schleuserkriminalität

und zur Seenotrettung im Mittelmeer zur Verfügung stellt. Im
Interview der Deutschen Presse-Agentur erzählt Kommandant Christian
Schultze (44) über die Vorbereitungen für einen Heiligabend auf hoher
See und die nicht immer einfache Mission vor der libyschen Küste.

Frage: Herr Fregattenkapitän, Sie und ihre Besatzung werden
Weihnachten mehr als 2000 Kilometer entfernt von der Heimat auf dem
Mittelmeer verbringen. Der Weihnachtsbaum wird fehlen, oder?

Antwort: Sie werden es nicht glauben, aber wir haben auf dem Schiff
Weihnachtsbäume. Jede Messe, also jeder Gemeinschaftsraum, hat einen.
Zudem steht einer auf dem Flugdeck. Insgesamt sind es fünf.

Frage: Woher bekommt man denn auf dem Mittelmeer Weihnachtsbäume?

Antwort: Die hat uns unser Patenland Mecklenburg-Vorpommern
geschickt. Als wir vor kurzem einen Hafenaufenthalt in Cagliari auf
Sardinien hatten, haben wir sie an Bord genommen.

Frage: Aber kann auf einem Kriegsschiff wirklich Weihnachtsatmosphäre
aufkommen?

Antwort: Das ist zumindest das Ziel. Für Heiligabend hat der
eingeschiffte Militärpfarrer zusammen mit 25 Soldatinnen und Soldaten
ein Krippenspiel organisiert, es gibt einen Weihnachtsgottesdienst
und dann sogar noch eine Christmette. Am 25. haben wir ein
Gemeinschaftsevent im Hangar geplant. Wenn nichts dazwischen kommt,
wollen wir uns da die Helene-Fischer-Show anschauen und gemeinsam
Spaß haben. Und natürlich gibt es gutes Essen - Heiligabend zum
Beispiel Gänsebrust mit Orangensauce, Rosenkohl und Schupfnudeln.

Frage: Was war bislang der emotionalste Moment an Bord?

Antwort: Unter den Menschen, die wir kürzlich gerettet haben, war
eine hochschwangere Frau, die dann an Bord eine Spontangeburt hatte.
Maverloy hat die Mutter den kleinen Jungen genannt. Das soll so viel
bedeuten wie «Gott ist großartig». 2450 Gramm war er schwer und 51
Zentimeter lang. Das ist eine Sache, die mir immer in Erinnerung
bleiben wird. In solchen Momenten herrscht immer eine
himmelhochjauchzende Freude an Bord. Die hat sich wie ein Lauffeuer
durch die gesamte Besatzung verbreitet.

Frage: Und was war bislang die militärisch heikelste Situation?

Antwort: Das war ein Zwischenfall am 1. November. Wir hatten gerade
ein Rettungseinsatz absolviert, als ein Küstenwachboot der Libyer auf
ein Schlauchboot mit meinen Leuten zugefahren ist und nicht auf
Warnungen über Funk reagiert hat. Ich habe die Fregatte dann als
Schutz dazwischengefahren. Die Libyer sind daraufhin abgedreht, haben
aber noch ins Wasser geschossen.

Frage: Gab es von libyscher Seite später eine Erklärung?

Antwort: Die libysche Regierung hat sich offiziell dafür
entschuldigt.

ZUR PERSON: Der gebürtige Wolfsburger Christian Schultze (44) kam
1994 zu Marine. Nach der Offiziersausbildung und einem Politikstudium
an der Bundeswehruniversität in Hamburg fuhr er zunächst auf den
Fregatten «Lübeck», «Augsburg» und «Bremen» zur See und arbei
tete an
der Führungsakademie und im Marineamt in Rostock. 2015 wurde er zum
Kommandanten der Fregatte «Mecklenburg-Vorpommern» ernannt.



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