Schiffe deutscher Seenotretter dürfen nach Malta fahren

09.01.2019 12:42

Es war eine Nervenprobe: Nun dürfen 49 gerettete Migranten nach Tagen
auf See Europas Boden betreten. Doch es dürfte nur eine Frage der
Zeit sein, bis die nächste Hängepartie beginnt.

Rom (dpa) - Die beiden blockierten Rettungsschiffe deutscher
Hilfsorganisationen dürfen nach einer tagelangen Hängepartie in Malta
anlegen. Anschließend würden die sich darauf befindenden 49 Migranten

auf Deutschland und sieben weitere EU-Mitgliedsstaaten verteilt,
erklärte Maltas Regierungschef Joseph Muscat am Mittwoch. Die
Rettungsschiffe müssten die maltesischen Gewässer «sofort» nach dem

Transfer der Migranten verlassen.

Sea-Watch hatte 32 Migranten vor Weihnachten unweit der libyschen
Küste gerettet. 17 weitere nahm die Regensburger Organisation Sea-Eye
kurz vor dem Jahreswechsel an Bord. Seitdem saßen die Migranten auf
den Schiffen fest.

Zur Aufnahme der Menschen haben sich auch Frankreich, Portugal,
Irland, Rumänien, Luxemburg, die Niederlande und Italien
bereiterklärt, sagte Muscat. Als Gegenleistung für die Öffnung des
Hafens in Valletta hatte die maltesische Regierung die Verteilung von
weiteren Migranten gefordert, die die dortige Küstenwache Ende
Dezember gerettet hatte. Nun würden rund 220 von insgesamt 298
Migranten auf andere EU-Staaten verteilt oder in ihre Heimatländer
zurückgeschickt, sagte Muscat.

Zuletzt hatte es dramatische Berichte über die Zustände an Bord der
beiden Rettungsschiffe gegeben - und am Mittwochnachmittag sollte
sich das Wetter erheblich verschlechtern. Nach Angaben von Sea-Watch
hatten einige Migranten zeitweise die Nahrung verweigert. Auf dem
anderen Schiff «Professor Albrecht Penck» waren Trink- und
Brauchwasservorräte rationiert worden. Die Menschen schliefen auf der
Krankenstation, teilten sich nur eine Toilette. Matratzen und
Wechselkleidung gab es nicht. Viele Migranten waren seekrank.

Malta und Italien hatten den Rettungsschiffen wie schon in früheren
Fällen das Anlegen in ihren Häfen verweigert. Im vergangenen Jahr
waren mehrfach Schiffe mit Geretteten an Bord auf dem Meer blockiert
worden, beispielsweise die Schiffe «Aquarius» und «Lifeline».

«Jeder, EU-Mitgliedsstaaten und Nichtregierungsorganisationen,
sollten die entsprechenden Regeln befolgen, statt ihrem eigenen
Willen zu folgen und von anderen zu erwarten, die Probleme zu lösen,
die sie verursacht haben», forderte Muscat.

In der Migrationsfrage sind die EU-Mitgliedsstaaten zerstritten.
Solange es keinen europäischen Mechanismus zur Verteilung der aus
Seenot Geretteten gebe, bleibe die Situation eine Notsituation, sagte
Italiens Regierungschef Giuseppe Conte am Dienstagabend in
einem Fernseh-Interview. «Die Enttäuschung ist groß, weil es uns
nicht gelingt, die Schlussfolgerungen, die wir im Abstrakten erzielt
haben, in etwas Konkretes umzusetzen», sagte er mit Blick auf einen
Gipfel der EU-Staats- und Regierungschef im vergangenen Sommer.

Nicht nur Hilfsorganisationen kritisieren, dass die Lösungen erst
errungen werden, während die ohnehin schon traumatisierten Menschen
auf dem Wasser ausharren. EU-Migrationskommissar Dimitris
Avramopoulos dankte auf Twitter Malta und den anderen Staaten, die
nun Solidarität zeigten.



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