Streit um Brexit: Mehr Druck auf Premierministerin May

10.01.2019 17:21

Die Lage für die britische Premierministerin Theresa May mit Blick
auf die Brexit-Abstimmung scheint nahezu aussichtslos. Die Buchmacher
reiben sich hingegen mit Blick auf die politischen Wetten die Hände.

Wakefield/London (dpa) - Der britische Labour-Chef Jeremy Corbyn
erhöht den Druck auf Premierministerin Theresa May im Streit um den
Brexit. Der Oppositionschef drohte am Donnerstag auf einer
Veranstaltung in Wakefield im scharfen Ton wieder mit Neuwahl: Sie
sei der «demokratischste Weg, die Blockade im Parlament beim Brexit»
zu lösen. «Daher sage ich zu Theresa May: Wenn Sie so viel Vertrauen
in Ihr Abkommen haben, dann rufen Sie Wahlen aus und lassen das Volk
entscheiden!» Andernfalls beantrage Labour ein Misstrauensvotum.

Die Parlamentarier werden nach mehrtägiger Debatte am kommenden
Dienstag über das zwischen May und Brüssel verhandelte Abkommen zum
EU-Austritt abstimmen. Eine genaue Uhrzeit steht noch nicht fest.

Ursprünglich sollten die Abgeordneten schon im Dezember über den
Vertrag entscheiden. Wegen der sich abzeichnenden Niederlage hatte
May die Abstimmung auf den 15. Januar verschoben. Es gilt weiter als
unwahrscheinlich, dass der Deal eine Mehrheit im Unterhaus findet.

Bei den Buchmachern laufen die Brexit-Wetten auf Hochtouren, wie
Rupert Adams vom Wettanbieter William Hill in London berichtete.
Viele Briten gehen demnach davon aus, dass May ihr Amt in diesem Jahr
verlieren wird. Ein EU-Austritt ohne Abkommen werde bei den Einsätzen
für wesentlich wahrscheinlicher gehalten als ein zweites Referendum.
Ein zweites Referendum hatte May wiederholt ausgeschlossen. «Das wird
ziemlich verrückt in den nächsten Wochen», sagte Adams.

Großbritannien will in weniger als drei Monaten - am 29. März - aus
der Europäischen Union ausscheiden. Bei einem ungeregelten Brexit
könnte es zu Chaos in fast allen Lebensbereichen kommen. Vor allem
die Wirtschaft rechnet mit erheblichen Einbußen bei einem «No Deal».


Etliche Unternehmen ziehen daher ihre Produktionspause vor, darunter
auch die BMW-Tochter Rolls-Royce. Das Werk in Goodwood in der
Grafschaft West Sussex schließe statt normalerweise im Sommer dieses
Jahr in den ersten beiden Aprilwochen, erklärte Rolls-Royce-Chef
Torsten Müller-Ötvös nach Angaben der britischen Nachrichtenagentur
PA. Auch die «Wirtschaftswoche» hatte darüber berichtet.



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