Merkel und Pavlopoulos fordern EU-Solidarität in der Migrationsfrage

11.01.2019 11:34

Athen und Berlin sind sich in fast allen Themen einig: EU-Solidarität
in der Migrationsproblematik? Ja! Überwindung des Streits um den
Namen Mazedoniens? Ja! Nur ein Thema trübt die Beziehungen: Athen
fordert Reparationen für die Besatzungszeit im Zweiten Weltkrieg.

Athen (dpa) - Bundeskanzlerin Angela Merkel hat Griechenland
Solidarität zur Bewältigung der Migrationskrise zugesagt. «Die Frage

der Flüchtlinge ist eine Frage, die uns alle angeht. Deutschland hat
immer deutlich gemacht, dass wir Griechenland hier nicht alleine
lassen können», sagte Merkel am Freitag nach einem Treffen mit dem
griechischen Staatspräsidenten Prokopis Pavlopoulos in Athen. Sie
wisse, wie schwierig die Lage in den überfüllten Registrier- und
Aufnahmelagern (Hotspots) auf den Inseln im Osten der Ägäis sei. 
Berlin habe sich immer für eine gemeinsame Asyl- und
Flüchtlingspolitik innerhalb der EU eingesetzt, «bei der jeder eben
auch seinen Beitrag leisten muss zur Lösung eines solchen Problems».

Insgesamt befinden sich derzeit auf den Inseln Lesbos, Chios, Samos,
Leros und Kos 14 000 Migranten. Die beiden Lager in Lesbos (Moria)
und Samos (Vathy) sind restlos überfüllt. Auf dem Festland leben mehr
als 50 000 Migranten in verschiedenen Lagern.

Bei einem anderen Thema sind sich Deutschland und Griechenland nicht
so einig. Athen behält sich weiter Reparationsforderungen an
Deutschland für Schäden aus dem Zweiten Weltkrieg vor. «Dies kann
juristisch auf der europäischen Ebene geklärt werden», sagte der
Pavlopoulos. Dies sei historisch richtig, fügte er hinzu.

Merkel erklärte, die Deutschen seien sich ihrer historischen
Verantwortung bewusst. «Wir wissen auch, wie viel Leid wir über
Griechenland gebracht haben als Deutschland in der Zeit des
Nationalsozialismus. Deshalb ist die Lehre für uns, alles daran zu
setzen, gute Beziehungen mit Griechenland zu haben und sich
gegenseitig zu unterstützen zum Wohle beider, von Griechenland und
von Deutschland», sagte Merkel.

Eine vom Athener Parlament einberufene Kommission aus Experten hatte
bereits vor drei Jahren den Umfang der Kriegsschäden auf mindestens
289 Milliarden Euro beziffert. Für Deutschland ist das Thema mit dem
1990 als internationale Grundlage für die deutsche Wiedervereinigung
unterzeichneten Zwei-plus-Vier-Vertrag abgeschlossen. Darin heißt es,
es seien «keine weiteren Reparationen» vorgesehen.

Zur Beilegung des Streits um den Namen Mazedoniens erklärten beide
Spitzenpolitiker, es sei wichtig, dass Skopje und Athen ein Abkommen
zur Umbenennung billigten. Griechenland fordert von Mazedonien, den
Namen zu ändern, weil es in Nordgriechenland eine gleichnamige
Provinz Mazedonien (altgriechisch: Makedonia) gibt. Die Griechen
fürchten, der Nachbar könne Gebietsansprüche erheben. Derzeit läuft

eine Abstimmung für den Namen «Nord-Mazedonien» im mazedonischen
Parlament. Auch das griechische Parlament muss dem noch zustimmen.

Athen und Skopje hatten im Juni vereinbart, dass die ehemalige
jugoslawische Republik Mazedonien sich in Nord-Mazedonien umbenennt.
Athen würde dann nicht mehr den Beitritt seines nördlichen Nachbarn
in die Nato und künftig auch in die EU blockieren.

Merkel wurde am frühen Nachmittag zum Abschluss ihres zweitägigen
Besuchs in der Deutschen Schule in Athen erwartet. Sie wollte sich
mit Unternehmern treffen und auch ein Gespräch mit dem Chef der
konservativen Oppositionspartei Nea Dimokratia (ND), Kyriakos
Mitsotakis, führen.



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