EU-Rechnungshof: Schwachstellen bei Kontrollen von Bio-Essen

14.03.2019 13:14

Bio ist nicht gleich bio. Und bei den Kontrollen, die klären, wie bio
die Produkte wirklich sind, gibt es noch Probleme. Das könnte dem Ruf
der teureren Produkte schaden.

Brüssel (dpa) - Bei der Kontrolle von Lebensmitteln mit dem
EU-Bio-Siegel sieht der Europäische Rechnungshof nach wie vor
Schwächen. Verbesserungen seien nötig. «Dies ist von entscheidender
Bedeutung, um das Vertrauen der Verbraucher in das EU-Bio-Siegel zu
wahren», erklärte der zuständige Prüfer Nikolaos Milionis am
Donnerstag in Brüssel. Das Label mit Blatt aus weißen EU-Sternen auf
grünen Grund soll bestätigen, dass Gemüse, Obst und andere Waren nach

vorgegebenen ökologischen Kriterien erzeugt wurden.

Der Rechnungshof sprach zwar von einigen Verbesserungen - unter
anderem in Deutschland - bei Kontrollen seit seinem letzten Bericht
2012. Doch gaben die obersten EU-Prüfer auch etliche Beispiele für
Schwachstellen. So hätten italienische Kontrollstellen viele Betriebe
gegen Jahresende besucht, was bei Pflanzenerzeugern wenig Sinn habe.

In Frankreich stellten einige Prüfer keine Liste ihrer
Bio-Zertifikate ins Internet, was die Rückverfolgung der Produkte
erschwere. In Tschechien gab es auf Kontrollbescheinigungen falsche
Angaben zu Labortests von Produkten aus Nicht-EU-Ländern. Und bei
einigen Produkten war der Herkunftsort falsch angegeben.

Menschen in der EU kaufen immer mehr Bioprodukte. 30,7 Milliarden
Euro Umsatz machte der Einzelhandel laut Rechnungshof damit im Jahr
2016. Noch 2010 seien es erst 18,1 Milliarden Umsatz gewesen. 2016
machte die für die Bio-Produktion genutzte landwirtschaftliche Fläche
6,7 Prozent der gesamten Agrarfläche aus. Die meisten in der EU
gekauften Bioprodukte werden dort auch hergestellt.

Beim EU-Bio-Siegel müssen mindestens 95 Prozent der
landwirtschaftlichen Zutaten wie Saatgut aus Bio-Produktion stammen.
Bei Kontrollen privater oder öffentlicher Stellen werden vor Ort
Herstellungs- und Verarbeitungsräume inspiziert und die Buchführung
geprüft sowie Proben entnommen und auf nicht zugelassene Stoffe
getestet.

Die EU-Kommission überwacht die Kontrollen in der EU und kann dies
auch in Drittländern tun. Der Rechnungshof fordert die Kommission
auf, Schwächen gemeinsam mit den EU-Staaten zu beheben.

Für ihren Bericht überprüfte der Rechnungshof im vergangenen Jahr
unter anderem Akten aus Deutschland (Nordrhein-Westfalen), Irland,
Spanien, Frankreich, Italien und Großbritannien. Diese Länder hätten

seit dem letzten Rechnungshof-Bericht von 2012 zwar viele
Schwachstellen behoben. Deutschland beispielsweise habe das Recht
geändert. Aber es gebe weiterhin Probleme.

Der Rechnungshof besuchte auch Bulgarien, wo die Anzahl der
Bio-Betriebe in den vergangenen Jahren rasch gewachsen ist, und
Tschechien, wo es große Bio-Landwirtschaftsflächen gibt.



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