Brüssel sieht Wachstum zunehmend durch globale Konflikte bedroht

10.07.2019 13:14

USA, China, Brexit und der Nahe Osten: Internationale Konflikte
belasten zunehmend die Wirtschaft in Europa. Nach Einschätzung der
EU-Kommission behauptet sie sich noch. Aber die Aussichten sind
bedenklich.

Brüssel (dpa) - Die zunehmenden internationalen Spannungen bedrohen
aus Sicht der EU-Kommission immer stärker das Wachstum in Europa.
Handelspolitische Konflikte und politische Ungewissheit stellten die
europäischen Volkswirtschaften auf die Probe, sagte
EU-Finanzkommissar Valdis Dombrovskis am Mittwoch in Brüssel.

«Sämtliche EU-Staaten werden 2019 und 2020 wachsen», sagte
EU-Wirtschaftskommissar Pierre Moscovici. Dies werde vor allem durch
einen starken Arbeitsmarkt gestützt, der die Nachfrage ankurbele.
Anhand zahlreicher Risiken müssten die einzelnen Volkswirtschaften
und die Eurozone insgesamt jedoch widerstandsfähiger werden.

Für das laufende Jahr erwartet die Brüsseler Behörde nun nach wie vor

ein Wachstum von 1,2 Prozent in den 19 Staaten des gemeinsamen
Währungsgebiets. Für das kommende Jahr senkte sie den Ausblick
gegenüber ihrer Prognose im Mai von 1,5 auf 1,4 Prozent. EU-weit
rechnet sie 2019 mit 1,4 Prozent und 2020 mit 1,6 Prozent.

Zwischen den einzelnen Staaten gibt es allerdings deutliche
Unterschiede. «Mittel- und osteuropäische EU-Staaten wachsen
schneller als Kernmitgliedstaaten», erklärte Moscovici.
Überdurchschnittliche Wachstumsraten erwartet die Brüsseler Behörde
im laufenden Jahren etwa in Ungarn und Polen (jeweils 4,4 Prozent)
sowie Rumänien (4,0 Prozent). In Deutschland - der größten
europäischen Volkswirtschaft - rechnet die Brüsseler Behörde mit
einem Plus des Bruttoinlandsprodukts (BIP) von 0,5 Prozent, in
Italien von 0,1 Prozent.

Vor allem den Produktionssektor sieht die EU-Kommission unter Druck.
Die größten Sorgen bereitet hier ein andauernder Handelskonflikt
zwischen den USA und China. Dieser könne auch Auswirkungen auf andere
Sektoren und Regionen nach sich ziehen, warnte die EU-Kommission.
Spannungen im Nahen Osten könnten die Ölpreise in die Höhe treiben.
Innerhalb Europas trübe der unklare EU-Austritt Großbritanniens die
Aussichten.

Die USA und China liefern sich seit einem Jahr einen erbitterten
Handelskrieg. Er bremst das Wachstum in beiden Ländern und belastet
auch die globale Konjunktur. Auslöser war der Ärger von US-Präsident

Donald Trump darüber, dass China deutlich mehr in die USA exportiert
als umgekehrt. Er belegte die Hälfte der Importe aus China mit
25-prozentigen Sonderzöllen, China reagierte mit Gegenzöllen.

Auch bei der Inflation sieht die EU-Kommission nun eine schwächere
Entwicklung. Wegen derzeit noch niedriger Ölpreise und schwacher
Weltwirtschaft rechnet sie in der Eurozone mit einer Teuerungsrate
von 1,3 Prozent, in der gesamten EU von 1,5 Prozent. Das entspricht
jeweils 0,1 Prozentpunkten weniger als im Mai.

Die Europäische Zentralbank (EZB) sieht eine Inflationsrate von knapp
2 Prozent als erstrebenswert an. Sind Preise dauerhaft niedrig oder
sinken gar, können Unternehmen und Verbraucher verleitet werden,
Investitionen aufzuschieben. Dies kann dann das Wirtschaftswachstum
schwächen.



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