Geplantes EU-Verbot von Mikroplastik bedroht Kunstrasenplätze

21.07.2019 15:42

Auf tausende Fußballvereine in Deutschland kommt ein Problem zu: Wenn
die EU Mikroplastik verbietet, sind auch Kunstrasenplätze gefährdet.
Umrüsten oder neu bauen - beides dürfte (zu) teuer werden. Minister
Horst Seehofer setzt sich für eine Übergangsregelung ein.

Berlin (dpa) - Das von der Europäischen Union geplante Verbot von
Mikroplastik könnte die Kunstrasenplätze tausender Amateur-
Fußballvereine bedrohen. Von 2022 an soll das Gummi-Granulat, das auf
diesen Plätzen als Unterlage verwendet wird, nicht mehr zulässig
sein. Der Deutsche Olympische Sportbund (DOSB) und der Deutsche
Fußball-Bund (DFB) beschäftigen sich intensiv mit der Problematik,
mit der sich auch die deutsche Politik schon länger befasst.

Bundesinnenminister Horst Seehofer will sich für eine Übergangsfrist
von sechs Jahren für bestehende Kunstrasenplätze einsetzen. «Als
Sportminister werbe ich für einen vernünftigen Ausgleich zwischen
Umweltschutz und den berechtigten Interessen des Sports», sagte der
CSU-Politiker der «Welt am Sonntag». «Viele Tausend Sportanlagen in
deutschen Kommunen wären sonst von der Schließung bedroht.»

Bereits in der vergangenen Woche habe Seehofer in einem Brief an
Bundesumweltministerin Svenja Schulze (SPD) für diese Übergangsfrist
geworben. Es erschließe sich ihm nicht, warum «der Schaden eines
Verbleibs» der bestehenden Plätze «höher sein sollte als der Gewinn
,
der durch die weitere Nutzung entsteht».

Auch der DFB wolle sich für eine sechsjährige Übergangsfrist
einsetzen. In Deutschland gibt es nach Verbandsangaben mehr als 6000
Kunstrasenplätze. Vor allem für den ganzjährigen Trainingsbetrieb der

Vereine mit vielen Mannschaften unterschiedlicher Altersklassen sind
sie lebensnotwendig. Denn die so notwendig werdenden Sanierungskosten
für die Plätze, die je nach Umrüstmethode bis zu einer halbe Million

Euro betragen können, könnten sie sich nicht leisten.

Um mögliche Auswirkungen von Kunststoffrasenplätzen auf die Umwelt zu
untersuchen, hat der DOSB im Mai eine Arbeitsgruppe mit Mitgliedern
aus Sportverbänden und der Wissenschaft gegründet.

Die Übergangsfrist von mindestens sechs Jahren sei notwendig, «um die
hohen Investitionen für die Sanierungen der mehr als 6000 kommunalen
und sportvereinseigenen Kunststoffrasenspielfelder
unterschiedlichsten Alters in Deutschland leisten und gleichzeitig
den Sportbetrieb auf den betroffenen Sportanlagen aufrechterhalten zu
können», hieß es in einer DFB-Mitteilung von Mitte Mai. «Eine genau
e
Quantifizierung der in Deutschland von einem möglichen Verbot
betroffenen Sportanlagen ist derzeit nicht möglich, da eine
belastbare Datengrundlage fehlt.»

In einigen Bundesländern hat die Politik bereits auf das drohende
Verbot reagiert. So wurde in Baden-Württemberg (rund 600 Plätze) die
finanzielle Förderung neuer Kunstrasenplätze mit Gummigranulat
eingestellt. Auch die rund 450 Kunstrasenplätze in Rheinland-Pfalz
müssen eine Alternative zum Kunststoff-Granulat finden. Das auch für
Sport zuständige Innenministerium habe beschlossen, Kunstrasenplätze
mit Kunststoff-Granulat als Einfüllstreu nicht mehr zu bewilligen.
Alternative Lösungen seien Kork, Sand, Hybridrasen - halb Kunst und
halb Natur - oder Kunstrasen ganz ohne Verfüllung.

Besorgnis löste das drohende Verbot auch bei Nachwuchsförderern aus.
«Wenn es wirklich darauf hinauslaufen sollte, dass es bald keine
Kunstrasenplätze mehr gibt, wäre das für viele Vereine sicher der
Genickbruch», sagte der ehemalige Fußballprofi Mike Rietpietsch. Der
45-Jährige spielte unter anderem für Bayer Leverkusen, den SC
Freiburg und Fortuna Düsseldorf. Seit einigen Jahren ist er
Miteigentümer der Fußballschule «Kick'N Body», die bundesweit rund
40
Camps für Kinder betreibt.



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