Google bittet andere Suchmaschinen zur Kasse bei Auswahl in Android

04.08.2019 10:13

Google erfüllt die Forderung der EU-Kommission, auf Android-Handys
die Auswahl anderer Suchmaschinen zu erleichtern. Die Rivalen soll
das aber Geld kosten.

Brüssel (dpa) - Google will konkurrierende Suchmaschinen bezahlen
lassen, wenn Nutzer in Europa sie bei der Einrichtung von
Android-Geräten als Alternative auswählen. Der Internet-Konzern
kündigte ein Auktionsverfahren als Lösung für den Vorwurf der
EU-Kommission an, dass er unfairen Wettbewerb betreibe. Die Behörde
hatte im vergangenen Jahr wegen des Geschäftsmodells beim
Android-Betriebssystem eine Strafe von 4,34 Milliarden Euro gegen
Google verhängt. Die alternativlos vorinstallierte hauseigene
Websuche des Konzerns war dabei ein zentraler Kritikpunkt.

Von Anfang 2020 an sollen Nutzer in Europa bei der Einrichtung eines
Android-Geräts neben Google auch drei weitere Suchmaschinen zur
Auswahl angeboten bekommen. Wer das sein wird, soll in einem
Auktionsverfahren mit geschlossenen Geboten entschieden werden,
erläuterte der Internet-Konzern am Wochenende. Die vier Suchmaschinen
sollen in der Liste nach dem Zufallsprinzip angeordnet werden.

Die Auktionen sollen einmal pro Jahr in jedem einzelnen Land der
europäischen Wirtschaftsregion stattfinden. In ihrem Gebot sollen die
Suchmaschinen den Preis nennen, den sie jedes Mal zu zahlen bereit
sind, wenn ein Nutzer sich für ihren Dienst entscheidet. Sie bekommen
dann monatlich eine Rechnung von Google und sollen nur zahlen, wenn
die Nutzer ihren Dienst auswählen.

«Eine Auktion ist eine faire und objektive Methode, um festzulegen,
welche Suchanbieter auf den Auswahlbildschirm kommen», erklärte der
Internet-Konzern. Die Suchmaschinen könnten dabei selbst entscheiden,
wie viel es ihnen Wert ist, in der Liste zu erscheinen. Die
Auswahlliste soll nur auf Geräten mit vorinstallierter Google-Suche
angezeigt werden.

Die EU-Kommission zeigte sich in einer Reaktion zufrieden damit, dass
Google den konkurrierenden Suchmaschinen die Möglichkeit zusagte,
durch Deals mit Smartphone-Anbietern auch ihre Dienste auf
Android-Geräten vorinstallieren zu lassen. «Das war vorher nicht
möglich», betonte die Behörde. Zugleich hieß es, die Kommission wer
de
die Umsetzung der Auswahlliste und die Reaktionen anderer
Marktteilnehmer auf das Verfahren aufmerksam beobachten.

Googles Ankündigung stieß schnell auf Kritik bei mehreren
Wettbewerbern. Die europäische Suchmaschine Qwant verurteilte den
Plan, weil er «ein weiterer inakzeptabler Missbrauch der
beherrschenden Stellung Googles» sei. Qwant verwies unter anderem
darauf, dass das vorgeschlagene Verfahren «Suchmaschinen offen stehen
würde, die ihre Ergebnisse und Einnahmen von Google ableiten, wodurch
eine inakzeptable Verzerrung und ein hohes Risiko der Manipulation,
Ungleichheit und Untreue der Auktion entsteht».

Der Chef der Suchmaschine DuckDuckGo, Gabriel Weinberg, kritisierte
bei Twitter, dass mit nur vier Listenplätzen die Nutzer zu wenig
Auswahl bekämen - und Google auf Kosten der Konkurrenten profitieren
würde.

In dem Google-Plan ist auch eine Situation vorgesehen, in der andere
Suchmaschinen auch kostenlos in die Liste kommen könnten. Die
Wettbewerber müssen sich für eine Aufnahme in die Auswahl anmelden -
und können dann auch darauf verzichten, ein Gebot abzugeben. Für
jedes Land soll ein Mindestgebot festgelegt werden. Wenn es weniger
als drei Google-Rivalen gibt, die das Mindestgebot einreichen, sollen
die freien Platze in der Liste nach dem Zufallsprinzip mit den
angemeldeten Diensten gefüllt werden, erläuterte der Konzern.



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