Bulgarin Georgiewa als europäische IWF-Kandidatin benannt

03.08.2019 00:26

Die Debatten der Europäer über die Nachfolge von Christine Lagarde an
der Spitze des Weltwährungsfonds zogen sich über Wochen hin. Nun gibt
es eine Entscheidung.

Paris (dpa) - Die Europäer haben die Bulgarin Kristalina Georgiewa
(65) als gemeinsame Kandidatin für die Spitze des Internationalen
Währungsfonds (IWF) benannt. Das teilte der französische Wirtschafts-
und Finanzminister Bruno Le Maire am Freitagabend in Paris mit.

Zuletzt war auch noch der frühere Eurogruppenchef Jeroen Dijsselbloem
(53) aus den Niederlanden im Rennen gewesen. Er gratulierte der
Bulgarin am Abend via Twitter. Auch EU-Kommissionschef Jean-Claude
Juncker sendete über den Kurznachrichtendienst seine Glückwünsche.

Georgiewa führt derzeit die Geschäfte der Weltbank in Washington.
Weltbank-Präsident David Malpass erklärte, Georgiewa lasse ihren
Posten nun auf eigenen Wunsch bis zur Bestätigung als IWF-Chefin
ruhen. Ihre Nominierung reflektiere ihre Kompetenz in Sachen
Wirtschaft, Finanzen und Entwicklungspolitik, so Malpass.

Le Maire, der die Verhandlungen zur Kandidatenkür der Europäer
geleitet hatte, lobte die Einigung der EU-Minister. «Das ist eine
hervorragende Nachricht», sagte er. «Wir werden alle ihre Kandidatur
unterstützen», versicherte er. Sie habe die Kompetenzen, die
Erfahrung und die internationale Glaubwürdigkeit, um Lagarde
nachzufolgen und mit Talent den IWF zu führen. Eine Abstimmung hatte
laut Kreisen einen deutlichen Vorteil für die Bulgarin ergeben.
Großbritannien, das die EU zum 31. Oktober verlassen will, habe nicht
an der Abstimmung der EU-Staaten teilgenommen, so Le Maire.

Es geht um die Nachfolge der Französin Christine Lagarde, die an die
Spitze der Europäischen Zentralbank (EZB) wechseln soll. Die Führung
des Weltwährungsfonds mit Sitz in Washington ist traditionell in
europäischer Hand. Georgiewa hat es damit noch nicht an die Spitze
des IWF geschafft. Es kann weitere Kandidaten aus anderen
Weltregionen geben.

Erklärtes Ziel der Europäer war es, einen gemeinsamen Kandidaten zu
präsentieren, der weitreichende Erfahrungen auf dem Gebiet der
internationalen Finanzbeziehungen hat.

Die Franzosen hatten angekündigt, dass ein Anwärter bis Ende Juli
gefunden werden solle. Wie ein Diplomat berichtete, überzeugte Le
Maire seine Amtskollegen, nun über einen Kandidaten abzustimmen, um
weitere lange Debatten zu vermeiden.

Der finnische Zentralbankchef Olli Rehn war zuvor ausgeschieden. Auch
die beiden südeuropäischen Bewerber stiegen aus: der portugiesische
Eurogruppen-Chef Mario Centeno und die spanische
Wirtschaftsministerin Nadia Calviño. Die Eurogruppe vereint die
Finanzminister der 19 Euro-Länder und ist ein mächtiges Brüsseler
Gremium.

Der IWF wurde gemeinsam mit der Weltbank zum Ende des Zweiten
Weltkriegs 1945 gegründet. Er soll als weltweites Gremium darüber
wachen, dass keine großen Währungsturbulenzen entstehen und zu
politischen Unwägbarkeiten führen. Unter anderem vergibt er Kredite
an überschuldete und in Zahlungsschwierigkeiten geratene Staaten.
Derzeit gehören 189 Mitgliedstaaten der Organisation an.



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