) Bulgarin Georgiewa als europäische IWF-Kandidatin benannt

02.08.2019 23:11

Die Debatten der Europäer über die Nachfolge von Christine Lagarde an
der Spitze des Weltwährungsfonds zogen sich über Wochen hin. Nun gibt
es eine Entscheidung.

Paris (dpa) - Die Europäer haben die Bulgarin Kristalina Georgiewa
(65) als gemeinsame Kandidatin für die Spitze des Internationalen
Währungsfonds (IWF) benannt. Das teilte der französische Wirtschafts-
und Finanzminister Bruno Le Maire am Freitagabend in Paris mit.

Zuletzt war auch noch der frühere Eurogruppenchef Jeroen Dijsselbloem
(53) aus den Niederlanden im Rennen gewesen.

Er gratulierte der Bulgarin am Abend via Twitter. Auch
EU-Kommissionschef Jean-Claude Juncker sendete über den
Kurznachrichtendienst seine Glückwünsche.

Le Maire, der die Verhandlungen geleitet hatte, lobte die Einigung
der EU-Minister. «Das ist eine hervorragende Nachricht», sagte der
Pariser Minister mit Blick auf die Benennung von Georgiewa. «Wir
werden alle ihre Kandidatur unterstützen», versicherte er. Sie habe
die Kompetenzen, die Erfahrung und die internationale
Glaubwürdigkeit, um Lagarde nachzufolgen und mit Talent den IWF zu
führen.

Das französische Wirtschafts- und Finanzministerium führte die
Verhandlungen für die Kandidatenkür der Europäer. Eine Abstimmung
hatte laut Kreisen einen deutlichen Vorteil für die Bulgarin ergeben.

Es geht um die Nachfolge der Französin Christine Lagarde, die an die
Spitze der Europäischen Zentralbank (EZB) wechseln soll. Die Führung
des Weltwährungsfonds mit Sitz in Washington ist traditionell in
europäischer Hand. Georgiewa hat es damit noch nicht an die Spitze
des IWF geschafft. Es kann weitere Kandidaten aus anderen
Weltregionen geben.

Georgiewa führt derzeit die Geschäfte der Weltbank. Zuvor hatte sie
sie schon einmal als Interimspräsidentin geleitet. Bevor die Bulgarin
2017 zur Weltbank zurückkehrte, arbeitete sie mehrere Jahre als
EU-Kommissarin in Brüssel.

Erklärtes Ziel der Europäer war es, einen gemeinsamen Kandidaten zu
präsentieren, der weitreichende Erfahrungen auf dem Gebiet der
internationalen Finanzbeziehungen hat.

Die Franzosen hatten angekündigt, dass ein Anwärter bis Ende Juli
gefunden werden solle. Wie ein Diplomat berichtete, überzeugte Le
Maire seine Amtskollegen, nun über einen Kandidaten abzustimmen, um
weitere lange Debatten zu vermeiden.

Der finnische Zentralbankchef Olli Rehn war zuvor ausgeschieden. Auch
die beiden südeuropäischen Bewerber stiegen aus: der portugiesische
Eurogruppen-Chef Mario Centeno und die spanische
Wirtschaftsministerin Nadia Calviño. Die Eurogruppe vereint die
Finanzminister der 19 Euro-Länder und ist ein mächtiges Brüsseler
Gremium.

Der IWF wurde gemeinsam mit der Weltbank zum Ende des Zweiten
Weltkriegs 1945 gegründet. Er soll als weltweites Gremium darüber
wachen, dass keine großen Währungsturbulenzen entstehen und zu
politischen Unwägbarkeiten führen. Unter anderem vergibt er Kredite
an überschuldete und in Zahlungsschwierigkeiten geratene Staaten.
Derzeit gehören 189 Mitgliedstaaten der Organisation an.



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