Europäer wollen Bulgarin Georgiewa an der IWF-Spitze

03.08.2019 06:30

Es dauerte länger als geplant: Die Europäer haben sich auf eine
gemeinsame Kandidatin zur Nachfolge von Christine Lagarde an der
Spitze des Weltwährungsfonds verständigt.

Paris (dpa) - Die Bulgarin Kristalina Georgiewa (65) soll nach dem
Willen der Europäer neue Chefin des Internationalen Währungsfonds
(IWF) werden. Die EU-Staaten verständigten sich nach langen Debatten
auf ihre Kandidatur, wie der französische Wirtschafts- und
Finanzminister Bruno Le Maire am späten Freitagabend in Paris
mitteilte. Großbritannien, das die Europäische Union zum 31. Oktober
verlassen will, habe nicht an der Abstimmung teilgenommen.

Bei dem Votum schnitt Georgiewa laut Kreisen deutlich besser ab als
ihr verbliebener Gegenkandidat, der frühere Eurogruppenchef Jeroen
Dijsselbloem (53) aus den Niederlanden.

Es geht um die Nachfolge der Französin Christine Lagarde, die an die
Spitze der Europäischen Zentralbank (EZB) wechseln soll. Die Führung
des Weltwährungsfonds mit Sitz in Washington ist traditionell in
europäischer Hand. Georgiewa hat es damit noch nicht an die Spitze
des IWF geschafft. Es kann weitere Kandidaten aus anderen
Weltregionen geben.

«Das ist eine hervorragende Nachricht», sagte Le Maire mit Blick auf
die Benennung Georgiewas. «Wir werden alle ihre Kandidatur
unterstützen.» Sie habe die Kompetenzen, die Erfahrung und die
internationale Glaubwürdigkeit, um Lagarde nachzufolgen und mit
Talent den IWF zu führen. Das französische Wirtschafts- und
Finanzministerium führte die Verhandlungen für die Kandidatenkür der

Europäer.

Georgiewa führt derzeit die Geschäfte der Weltbank. Zuvor hatte sie
sie schon einmal als Interimspräsidentin geleitet. Bevor die Bulgarin
2017 zur Weltbank zurückkehrte, arbeitete sie mehrere Jahre als
EU-Kommissarin in Brüssel. Weltbank-Präsident David Malpass erklärte,

Georgiewa lasse ihren Posten nun auf eigenen Wunsch bis zur
Bestätigung als IWF-Chefin ruhen. Ihre Nominierung reflektiere ihre
Kompetenz in Sachen Wirtschaft, Finanzen und Entwicklungspolitik, so
Malpass.

EU-Kommissionschef Jean-Claude Juncker gratulierte via Twitter zu
ihrer Benennung. Georgiewa teilte über den Kurznachrichtendienst mit,
sie sei geehrt über die Benennung und habe bei der Weltbank eine
Beurlaubung beantragt.

Der finnische Zentralbankchef Olli Rehn war zuvor ausgeschieden. Auch
die beiden südeuropäischen Bewerber stiegen aus: der portugiesische
Eurogruppenchef Mario Centeno und die spanische Wirtschaftsministerin
Nadia Calviño. Die Eurogruppe vereint die Finanzminister der 19
Euro-Länder und ist ein mächtiges Brüsseler Gremium.

Der IWF wurde gemeinsam mit der Weltbank zum Ende des Zweiten
Weltkriegs 1945 gegründet. Er soll als weltweites Gremium darüber
wachen, dass keine großen Währungsturbulenzen entstehen und zu
politischen Unwägbarkeiten führen. Unter anderem vergibt er Kredite
an überschuldete und in Zahlungsschwierigkeiten geratene Staaten.
Derzeit gehören 189 Mitgliedstaaten der Organisation an.



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