) Bulgarin Georgiewa soll IWF leiten - Diskussionen um ihr Alter

03.08.2019 13:53

Es dauerte länger als geplant: Die Europäer haben sich auf eine
gemeinsame Kandidatin zur Nachfolge von Christine Lagarde an der
Spitze des Weltwährungsfonds verständigt. Aber es gibt einen Haken.

Paris/Washington (dpa) - Die Bulgarin Kristalina Georgiewa (65) soll
nach dem Willen der Europäer neue Chefin des Internationalen
Währungsfonds (IWF) werden. Die EU-Staaten verständigten sich nach
langen Debatten auf ihre Kandidatur, wie der französische
Wirtschafts- und Finanzminister Bruno Le Maire am späten Freitagabend
in Paris mitteilte. Großbritannien, das die Europäische Union zum 31.
Oktober verlassen will, habe nicht an der Abstimmung teilgenommen.

Bei dem Votum schnitt Georgiewa laut Kreisen deutlich besser ab als
ihr verbliebener Gegenkandidat, der frühere Eurogruppenchef Jeroen
Dijsselbloem (53) aus den Niederlanden. Es gibt aber eine Hürde für
die frühere EU-Kommissarin: Sie wird am 13. August 66 Jahre alt. Nach
der Satzung des Währungsfonds darf der Direktor oder die Direktorin
zum Zeitpunkt der Ernennung aber nicht älter als 65 sein. Diese
Altersgrenze kann nach Angaben des IWF mit einer Regeländerung an-
oder aufgehoben werden. Dafür ist eine Mehrheit im Gouverneursrat,
dem obersten Gremium des Fonds, notwendig.

Nach Angaben aus EU-Kreisen hat Frankreichs Finanzminister Le Maire
mit seinem US-Amtskollegen Steven Mnuchin bereits über die
Altersfrage gesprochen. Demnach habe Mnuchin signalisiert, dass die
USA eine Regeländerung mittragen würden.

Es geht um die Nachfolge der Französin Christine Lagarde, die an die
Spitze der Europäischen Zentralbank (EZB) wechseln soll. Die Führung
des Weltwährungsfonds mit Sitz in Washington ist traditionell in
europäischer Hand. Georgiewa hat es damit noch nicht an die Spitze
des IWF geschafft. Es kann weitere Kandidaten aus anderen
Weltregionen geben.

«Das ist eine hervorragende Nachricht», sagte Le Maire mit Blick auf
die Benennung Georgiewas. «Wir werden alle ihre Kandidatur
unterstützen.» Sie habe die Kompetenzen, die Erfahrung und die
internationale Glaubwürdigkeit, um Lagarde nachzufolgen und mit
Talent den IWF zu führen. Das französische Wirtschafts- und
Finanzministerium führte die Verhandlungen für die Kandidatenkür der

Europäer.

Georgiewa führt derzeit die Geschäfte der Weltbank. Zuvor hatte sie
sie schon einmal als Interimspräsidentin geleitet. Bevor die Bulgarin
2017 zur Weltbank zurückkehrte, arbeitete sie mehrere Jahre als
EU-Kommissarin in Brüssel. Weltbank-Präsident David Malpass erklärte,

Georgiewa lasse ihren Posten nun auf eigenen Wunsch bis zur
Bestätigung als IWF-Chefin ruhen. Ihre Nominierung reflektiere ihre
Kompetenz in Sachen Wirtschaft, Finanzen und Entwicklungspolitik, so
Malpass.

EU-Kommissionschef Jean-Claude Juncker gratulierte via Twitter zu
ihrer Benennung. Georgiewa teilte über den Kurznachrichtendienst mit,
sie sei geehrt über die Benennung und habe bei der Weltbank eine
Beurlaubung beantragt.

Der finnische Zentralbankchef Olli Rehn war zuvor ausgeschieden. Auch
die beiden südeuropäischen Bewerber stiegen aus: der portugiesische
Eurogruppenchef Mario Centeno und die spanische Wirtschaftsministerin
Nadia Calviño. Die Eurogruppe vereint die Finanzminister der 19
Euro-Länder und ist ein mächtiges Brüsseler Gremium.

Der IWF wurde gemeinsam mit der Weltbank zum Ende des Zweiten
Weltkriegs 1945 gegründet. Er soll als weltweites Gremium darüber
wachen, dass keine großen Währungsturbulenzen entstehen und zu
politischen Unwägbarkeiten führen. Unter anderem vergibt er Kredite
an überschuldete und in Zahlungsschwierigkeiten geratene Staaten.
Derzeit gehören 189 Mitgliedstaaten der Organisation an.



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