) Häfen fordern EU-Auflagen gegen größere Containerschiffe

03.08.2019 15:47

Schiffe mit mehr als 20 000 Containern an Bord gehören mittlerweile
zum Standard im Verkehr zwischen Europa und Asien. Damit muss es nun
aber auch genug sein, fordern die europäischen Häfen.

Hamburg (dpa) - Die europäischen Häfen machen Front gegen immer
größere Containerschiffe und wollen dazu den Hebel des Kartellrechts
nutzen. «Größere Schiffe erfordern hohe zusätzliche Investitionen i
n
die Infrastruktur der Häfen», sagte Gunther Bonz, Präsident des
Unternehmensverbandes Hafen Hamburg (UVHH) und verwies auf
Wendekreise, Kaimauern und tiefe und breite Fahrrinnen. Diese
Investitionen seien überwiegend von den Steuerzahlern zu tragen,
sagte er der Deutschen Presse-Agentur. Die gerade laufende
Elbvertiefung soll ungefähr 780 Millionen Euro kosten.

Gegenwärtig sind die größten Containerschiffe rund 400 Meter lang und

mehr als 60 Meter breit bei einem Tiefgang von bis zu 16,50 Metern.
Sie können bis zu 23 000 Standardcontainer (TEU) transportieren.
Dabei soll es aus Sicht der Hafenbetriebe auch bleiben. Die Häfen
befürchten jedoch, dass Reeder und Werften eine neue
Schiffsgeneration planen, mit 460 Meter langen und 68 Meter breiten
Riesenschiffen und einer Kapazität von 30 000 TEU. Eine entsprechende
Studie sei bereits bekannt, sagte Bonz: «Und wenn es eine Studie
gibt, dann werden die Schiffe auch bald gebaut.»

Verhindern könne das die EU über das Kartellrecht. Die großen
globalen Reedereien sind in drei Allianzen organisiert, um ihre
Fahrpläne zu koordinieren und ihre Kapazitäten effektiv einsetzen zu
können. Dafür benötigen sie besondere Genehmigungen der wesentlichen

Kartellbehörden in den USA, Europa und China. Die gegenwärtige
Genehmigung der EU laufe im kommenden März aus. «Die EU sollte eine
neue Genehmigung nur unter inhaltlichen Auflagen erteilen», forderte
Bonz, der auch den europäischen Hafenverband Feport führt.

Die Betreiber von rund 400 Hafenterminals in Europa stellen in diesem
Zusammenhang mehrere Forderungen an die EU. Eine der wichtigsten: Es
darf künftig kein Schiff mehr die europäischen Häfen anlaufen, das
größer ist als die bislang fahrende Flotte. Also ein Stoppsignal für

die Reedereien und Werften, das gegenwärtige Wettrüsten um immer
größere Schiffe fortzusetzen. Die USA seien diesen Weg bereits
erfolgreich gegangen und hätten Grenzen für die Größe von Schiffen

festgesetzt, sagte Bonz.

Hamburg und die übrigen europäischen Häfen wollen die Forderung an
die neue Kommission unter der Führung von Ursula von der Leyen
herantragen, die im November ihre Arbeit aufnimmt und ebenso an die
EU-Mitgliedstaaten und das Europäische Parlament.

Ein Sprecher des Verbands Deutscher Reeder weist die Vorwürfe zurück:
«Kein Hafenbetreiber ist ja gezwungen, bestimmte Schiffe anzunehmen
und abzufertigen.» Es überrasche ihn, dass «privatwirtschaftliche
Hafenbetreiber jetzt staatliche Verbote für Schiffsgrößen für ihre

Kunden fordern». Die Wirksamkeit solcher EU-Regulierungen von
Schiffsgrößen zweifelt er zudem an: «Der Markt wird sich dann andere

Wege oder Häfen suchen. Das kann nicht gewollt sein.» Europäischen
Häfen könnte das am Ende im Wettbewerb mit Häfen ohne Größengrenz
en
schaden.



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