Griechenland weist Drohungen Erdogans zurück

08.09.2019 12:50

Istanbul/Athen (dpa) - Griechenland hat die Drohung des türkischen
Präsidenten Recep Tayyip Erdogan zurückgewiesen, die Grenzen nach
Europa für syrische Flüchtlinge zu öffnen. «Erdogan muss begreifen,

er kann nicht der EU und Griechenland drohen, um mehr Gelder (für die
Türkei) zu sichern», sagte Ministerpräsident Kyriakos Mitsotakis am
Sonntag in der Hafenstadt Thessaloniki. Die EU habe bereits sechs
Milliarden Euro an die Türkei wegen des Migrantenzustroms überwiesen.

Wenn Erdogan das Abkommen mit der EU neu aushandeln möchte, dann
könne man darüber sprechen, sagte Mitsotakis. «Nicht aber mit
Drohungen und mit einer Sprache, die nicht mit guter Nachbarschaft im
Einklang steht.»

Erdogan hatte zuvor erklärt, die Türkei könne einen möglichen
weiteren Flüchtlingszustrom aus Syrien nicht alleine schultern. Er
appellierte an die EU, genügend finanzielle Unterstützung
bereitzustellen. «Entweder Sie teilen diese Last oder wir müssen die
Tore öffnen», sagte Erdogan.

Die Türkei hat seit Beginn des Bürgerkrieges im Nachbarland Syrien
2011 rund 3,6 Millionen Flüchtlinge aufgenommen, mehr als jedes
andere Land der Welt.

Der im März 2016 geschlossene Flüchtlingspakt zwischen der EU und der
Türkei sieht vor, dass die EU alle Migranten, die illegal über die
Türkei auf die griechischen Inseln kommen, zurückschicken kann. Auf
dem Höhepunkt der Flüchtlingskrise im Jahr 2015 hatte es Tage
gegeben, an denen rund 7000 Migranten über die Türkei griechische
Inseln erreichten. Zurzeit kommen täglich wieder Hunderte Migranten
aus der Türkei nach Griechenland und damit auch in die EU.



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