Niedersachsen kann Brexit-Folgen für Wirtschaft nicht abschätzen

09.09.2019 16:37

Zwar sieht Niedersachsen sich auch für die Folgen eines harten Brexit
gut gerüstet. Was dies genau für die Wirtschaft bedeutet, lässt sich

aber noch nicht vorhersagen. Experten sind sich sicher: Hier sind die
Folgen deutlich geringer als in Großbritannien.

Hannover (dpa/lni) - Obwohl die wirtschaftlichen Folgen eines
ungeregelten Brexit noch unklar sind, sieht Europaministerin Birgit
Honé das Land Niedersachsen für den Fall gut gerüstet. «Niedersachs
en
ist auch auf einen ungeregelten Brexit gut vorbereitet», versicherte
die SPD-Politikerin am Montag in Hannover. Trotz aller Vorkehrungen
für viele Brexit-Eventualitäten bleibe die Wirtschaft aber ein
Sorgenkind.

Wie sich die Warenströme nach einem Austritt Großbritanniens aus der
Europäischen Union entwickelten, sei noch unklar, sagte Honé: «Wir
wissen nicht, wie sich der Brexit wirtschaftlich auswirken wird.»
Einschnitte befürchten vor allem die Hochseefischer, die bei einem
harten Brexit damit rechnen, künftig nicht mehr in britischen
Hoheitsgewässern fischen zu dürfen.

Wie der Hauptgeschäftsführer der Deutsch-Britischen Industrie- und
Handelskammer, Ulrich Hoppe, in Hannover sagte, ist die deutsche
Wirtschaft allerdings gut in der Lage, den Brexit zu verkraften. Die
Folgen seien für die übrigen EU-Länder ungleich geringer als für
Großbritannien selber. Während 10 Prozent der Exporte der EU-Staaten
an Großbritannien gehen, sind 40 Prozent der britischen Ausfuhren für
die EU bestimmt. Nach einer Studie der Bertelsmann Stiftung ist
Niedersachsen im Vergleich der Bundesländer vom Brexit
unterdurchschnittlich betroffen und rangiert diesbezüglich an vierter
Stelle hinter Bayern, Baden-Württemberg und Nordrhein-Westfalen.

Trotzdem befürchtet das Europaministerium erhebliche Folgen für die
Handelsbeziehungen mit Großbritannien. Allein aus Niedersachsen
wurden 2018 Waren im Wert von 6,2 Milliarden Euro exportiert, was
einem Anteil von 7,2 Prozent aller Ausfuhren entspricht. Damit sackte
Großbritannien nach den Niederlanden und Frankreich auf den dritten
Platz aller Exportländer ab. Der Wert importierter britischer Waren
ging 2018 um neun Prozent zurück und umfasste Güter im Wert von 3,2
Milliarden Euro. Offensichtlich versuchten niedersächsische
Unternehmen bereits, von Importen aus Großbritannien unabhängiger zu
werden. In der Rangfolge der Importländer stand Großbritannien für
Niedersachsen damit nur noch auf Rang zwölf.

Aus dem nachlassenden Warenaustausch mit Großbritannien liest das
Europaministerium ab, dass die Wirtschaft seit dem
Austrittsreferendum 2016 bereits begonnen hat, sich an die neue Lage
anzupassen, obwohl die Rahmenbedingungen sich noch nicht geändert
haben. Paradoxerweise zogen die Exporte aus Niedersachsen nach
Großbritannien im ersten Halbjahr 2019 wieder an. Dies hängt nach
Einschätzung des Ministeriums damit zusammen, dass britische
Unternehmen in den letzten Monaten begonnen haben, Güter vom
Kontinent zu ordern und zu lagern, bevor mögliche Zölle darauf
erhoben werden.



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