Kaeser: EU muss als «dritte Kraft» in Weltwirtschaft gehört werden

09.09.2019 18:16

Berlin (dpa) - Der Chef des Asien-Pazifik-Ausschusses der Deutschen
Wirtschaft, Joe Kaeser, hat angesichts der starken wirtschaftlichen
Konkurrenz aus den USA und China stärkere Anstrengungen der EU
gefordert. Die Europäische Union brauche eine gemeinsame
Außenwirtschaftsposition, sagte der Siemens-Chef am Montag in Berlin.
Nur damit ließe sich auf Augenhöhe mit den USA und China reden. Die
EU müsse als «dritte Kraft» in der Welt gehört werden.

Kaeser hatte Bundeskanzlerin Angela Merkel bei ihrem China-Besuch
begleitet. Er sprach von einer erfolgreichen Reise in einer
schwierigen Zeit. Die chinesische Führung habe sich viel Zeit
genommen. Es seien verschiedene Handlungsfelder für eine stärkere
Kooperation definiert worden. Dabei gehe es auch um einen besseren
Marktzugang ausländischer Unternehmen in China.

Es sei wichtig, den Dialog mit der chinesischen Führung zu suchen und
auch schwierige Fragen anzusprechen, sagte Kaeser: «Miteinander reden
ist immer besser als übereinander reden.» Er warnte zudem vor einer
Eskalation des Hongkong-Konflikts, dazu gehöre auch ein militärisches
Eingreifen der chinesischen Führung.

Kaeser hatte in einem Interview mit dem «Redaktionsnetzwerk
Deutschland» (Montag) angesichts der Bedeutung des Exports für die
deutsche Wirtschaft gesagt, Deutschland müsse seine «moralischen
Werte und Interessenlagen» immer ganz besonders abwägen. «Wenn
Arbeitsplätze in Deutschland davon abhängen, wie wir mit brisanten
Themen umgehen, dann sollte man nicht die allgemeine Empörung
verstärken, sondern überlegt die Positionen und Maßnahmen in allen
Facetten überlegen.»

Weiter sagte Kaser: «Jetzt einfach zu sagen «dann teilen wir eben die
Welt in zwei Wirtschaftssysteme auf» wäre ein Spiel mit dem Feuer-
das muss man sich auch gerade in schwierigen Zeiten sehr gut
überlegen.»



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