Düngeregeln für viele Bauern werden erneut verschärft

10.09.2019 17:15

Die Böden sind überdüngt, das Wasser belastet - jetzt verschärft
Niedersachsen die Düngeregeln für Landwirte. Die Landwirte sind in
Sorge. Denn aus Berlin drohen schon bald neue Einschränkungen.

Hannover (dpa/lni) - Landwirte in großen Teilen Niedersachsens müssen
sich erneut auf strengere Düngeregeln einstellen. Damit soll die seit
Jahren schlechte Wasserqualität besser werden. Unter dem Druck
drohender EU-Strafzahlungen wegen des jahrelangen Missachtens von
Umweltvorschriften präsentierten das Landwirtschafts- und das
Umweltministerium in Hannover am Dienstag Einschränkungen für das
Ausfahren von Dünger auf 39 Prozent der Landesfläche. Das entspricht
ungefähr einer Million Hektar Land. Viele andere Bundesländer hatten
bereits entsprechende rote Gebiete ausgewiesen und schärfere
Düngeregeln erlassen.

Bundesagrarministerin Julia Klöckner (CDU) hatte die Nachzügler
Niedersachsen und Sachsen-Anhalt im Juli in die Pflicht genommen,
ebenfalls zu handeln. Niedersachsen begründete die Verzögerung damit,
dass es neben Gebieten mit zu hoher Nitrat- auch solche mit zu hoher
Phosphatbelastung ausgewiesen hat. Außerdem führt Niedersachsen eine
elektronische Nährstoffmeldung zum Erfassen ausgefahrenen Düngers
ein. Für Gebiete mit hoher Nitrat- oder Phosphatbelastung sind
mehrere Maßnahmen vorgesehen: So soll Dünger unter anderem in
kürzerer Zeit eingearbeitet und Wirtschaftsdünger auf Nährstoffe hin

untersucht werden. Außerdem sollen Landwirte ihre Lagerkapazität für

Gülle erhöhen.

In Niedersachsen, dem Agrarland Nummer eins, ist das Wasser schon
seit vielen Jahren auf 60 Prozent der Fläche von schlechter Qualität.
Die Überdüngung durch die Massentierhaltung gilt als Hauptgrund. Etwa
drei Viertel der Höfe halten Tiere. Dem jüngsten Düngebericht zufolge

haben die Bauern trotz neuer Auflagen allerdings auch von Juli 2017
bis Juni 2018 zu viel Gülle und Kunstdünger auf ihre Äcker gekippt.

Der Landesbauernverband kritisierte, die Festlegung der roten Gebiete
basiere auf einem großen Raster, das etliche Landwirte unnötig
belaste. Hier bestehe Korrekturbedarf. Den Landwirten sei aber
bewusst, dass Handlungsbedarf bestehe, sagte Landvolkvizepräsident
Holger Hennies. Sorgen bereiten den Landwirten insbesondere auch
weitere Verschärfungen, über die die Bundesregierung mit der
EU-Kommission verhandelt - und die ab Anfang kommenden Jahres drohen.

«Die Betriebe sind in großer Unruhe, in großer Sorge», sagte
Niedersachsens Landwirtschaftsministerin Barbara Otte-Kinast (CDU).
Sicherlich würden einige Betriebe nun die Tierhaltung aufgeben. «In
den Gebieten besteht wirklich Handlungsbedarf», betonte indes
Umweltminister Olaf Lies (SPD). «Wenn man konsequent vor vielen
Jahren Maßnahmen ergriffen hätte, wäre es leichter gewesen.»
Stattdessen habe die Politik mit effektiven Kontrollmaßnahmen der
Agrarbranche gewartet, bis es nicht mehr ging.

Die EU-Kommission hatte Deutschland wegen zu hoher Nitratwerte im
Grundwasser verklagt und 2018 beim Europäischen Gerichtshof Recht
bekommen - Düngen etwa mit Gülle ist eine Hauptursache. Das Urteil
bezog sich zwar noch auf ältere Düngeregeln. Auch die erst 2017
geänderten Bundesvorgaben müssen nun aber verschärft werden, sonst
könnten letztlich Strafzahlungen drohen. Berlin legte im Juni neue
Vorschläge vor, die EU-Kommission erwartet bis Mitte September aber
noch mehr.



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