WWF warnt: EU verfehlt Ziele zum Meeresschutz

10.09.2019 16:33

Hamburg (dpa) - Der WWF hat stärkere Anstrengungen zum Schutz der
europäischen Meere angemahnt. Zwar sind laut einem neuen Report der
Umweltorganisation 12,4 Prozent der europäischen Meere als
Schutzgebiete ausgewiesen. Aber nur 1,8 Prozent der Meeresfläche
seien auch mit konkreten Schutzmaßnahmen - etwa hinsichtlich der
Fischerei - belegt, sagte am Dienstag Carla Kuhmann vom
Internationalen WWF-Zentrum für Meeresschutz in Hamburg. Um bestimmte
Arten oder Lebensräume langfristig vor schädigenden Eingriffen zu
bewahren, müssten die Schutzgebiete aber durch Managementpläne
wirkungsvoll verwaltet werden.

«Der Großteil der europäischen marinen Schutzgebiete sind sogenannte

«Paper Parks», deren Schutzwirkung nur auf dem Papier existiert»,
sagte Kuhmann. Ohne die sofortige Implementierung und Einhaltung von
Managementplänen mit wirksamen Maßnahmen werde die EU ihre Ziele zum
Schutz der Ozeane verfehlen, warnte sie. Bis 2020 sollen laut
UN-Nachhaltigkeitsziel und Biodiversitätskonvention zehn Prozent des
weltweiten Ozeans effektiv geschützt werden.

Auch in Deutschland klafften Theorie und Praxis auseinander. Zwar
seien etwa 45 Prozent der heimischen Meeresgewässer formal als
Schutzgebiete ausgewiesen, jedoch habe gerade einmal die Hälfte davon
Managementpläne. «Seit Jahren hinkt Deutschland darin hinterher, den
Schutz in den entsprechenden Gebieten umzusetzen», sagte Kuhmann.

Wirtschaftliche Nutzung, insbesondere Fischerei, finde «weiterhin
großflächig in den Gebieten statt und richtet dort enorme Schäden
an». So stelle beispielsweise der Nationalpark Wattenmeer eine große
Meeresfläche unter Schutz, die allerdings von Krabbenfischern fast
uneingeschränkt befischt werden dürfe, sagte Kuhmann. «Für die
geschützten Offshore-Gebiete in deutschen Gewässern gibt es bislang
überhaupt keine Managementpläne und Regulierungen der Fischerei.» Der

WWF fordert, dass im Durchschnitt 50 Prozent der Fläche der
Schutzgebiete frei von jeglicher Nutzung sind.



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