Lindsay Hoyle ist neuer Präsident des britischen Unterhauses

04.11.2019 23:07

London (dpa) - Lindsay Hoyle ist am Montag zum neuen Präsidenten des
britischen Unterhauses gewählt worden. Der Labour-Abgeordnete und
bisherige Vize-Sprecher setzte sich in der vierten Wahlrunde gegen
seinen Parteifreund Chris Bryant durch.

Der neue «Speaker of the House of Commons» wird traditionell von
seinen Kollegen zu seinem Stuhl gezerrt - eine Tradition aus früheren
Jahrhunderten, als der Unterhauspräsident nicht selten in der
Auseinandersetzung mit der Krone auf dem Schafott landete.

Hoyles Vorgänger John Bercow hatte vergangene Woche nach zehn Jahren
das Amt abgegeben, kurz bevor das Parlament für die vorgezogene Wahl
am 12. Dezember aufgelöst wird. Dadurch wurde die Auswahl des neuen
Speakers ungewöhnlicherweise am Ende statt zu Beginn einer
Legislaturperiode getroffen.

Der Parlamentspräsident hat eine zentrale Rolle im Unterhaus inne. Er
erteilt und entzieht Abgeordneten das Wort, entscheidet über die
Zulässigkeit von Anträgen und vertritt die Kammer unter anderem
gegenüber der Königin und dem Oberhaus (House of Lords).

Bercow war der 157. «Speaker» und seit 2009 im Amt. Im Streit über
den geplanten EU-Austritt des Landes kritisierten vor allem
Brexit-Hardliner den Politiker, der aus Amtsgründen seine
Verbindungen mit den Konservativen trennte, als parteiisch. Mehrmals
setzte sich der 56-Jährige über Konventionen hinweg, damit sich die
Abgeordneten im Streit mit der Regierung durchsetzen konnten. Bercow
rechtfertigte das mit einem immer stärker autoritären Regierungsstil.
Viele Parlamentarier lobten, er habe die Rechte des Unterhauses
gegenüber der Regierung gestärkt.



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