Zypern will erschlichene Staatbürgerschaften entziehen

06.11.2019 14:05

Nikosia (dpa) - Der EU-Staat Zypern will nach scharfer Kritik aus der
Europäischen Union die Einbürgerung von Menschen aus Drittstaaten
verschärfen. Das betrifft sowohl das Verfahren als auch die Kontrolle
von Voraussetzungen für eine Einbürgerung. Das teilte der zyprische
Innenminister Constantinos Petrides am Mittwoch im Staatsfernsehen
(RIK) mit. Zudem seien Verfahren gegen 26 Personen eingeleitet
worden, die sich die Staatsbürgerschaft erschlichen haben sollen.
Ihnen sollen die Pässe der Republik Zypern entzogen werden.

In den vergangenen Tagen war auf der Insel ein Skandal öffentlich
geworden. Medien berichteten, dass ein von Interpol gesuchter Mann
aus Malaysia mit Hilfe des Erzbischofs der Kirche Zyperns die
Staatsbürgerschaft erhalten habe. Der Malaysier hatte demnach 300 000
Euro an die Kirche überwiesen. Daraufhin schickte der Erzbischof
Chrysostomos II. einen Brief an die Regierung und forderte eine
Genehmigung des Einbürgerungsantrages im Schnellverfahren. Der
Erzbischof gab in einem Fernsehgespräch an, dass die Kirche das Geld
erhalten habe.

Der zyprische Pass ist begehrt, weil die Mittelmeerinsel seit 2004
Mitglied der EU ist. In den vergangenen zehn Jahren sollen mehr als
3500 Menschen, in ihrer Mehrheit Russen und Chinesen, die
Staatsbürgerschaft des kleinen EU-Landes erhalten haben. Die
wichtigste Voraussetzung dafür ist eine Investition des
Antragstellers in Zypern in Höhe von 2,5 Millionen Euro. Die
Staatsbürgerschaft in einem EU-Land gewährt Bewegungsfreiheit im
gesamten Schengen-Raum sowie Zugang zum Binnenmarkt der EU.



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