Ex-Parlamentschef Bercow: Brexit ist größter Fehler seit dem Krieg

06.11.2019 17:27

London (dpa) - Kurz nach Ende seiner Amtszeit hat der britische
Ex-Parlamentspräsident John Bercow seine Neutralität aufgegeben und
den geplanten EU-Ausstieg scharf verurteilt. «Ich denke, dass der
Brexit der größte außenpolitische Fehler in der Nachkriegszeit ist,
und das ist meine ehrliche Meinung», sagte Bercow am Mittwoch bei
einem Treffen mit Auslandskorrespondenten in London. Der Brexit werde
sich nicht positiv auf das internationale Ansehen Großbritanniens
auswirken. «Meine ehrliche Antwort ist, dass ich nicht denke, dass
dies dem Vereinigten Königreich hilft.»

Bercow sagte: «Ich bin nicht mehr der «Speaker», ich muss nicht mehr

unabhängig sein.» Er betonte, dass er sich während seiner Amtszeit
stets neutral verhalten und auch die Brexit-Befürworter stets fair
behandelt habe. Er respektiere, dass der Premierminister versucht
habe, eine Mehrheit für seinen Brexit-Deal zu bekommen.

Vor allem Brexit-Hardliner hatten dem 56-Jährigen allerdings
vorgeworfen, sich parteiisch zu verhalten. Mehrmals setzte er sich
über Konventionen hinweg, damit die Abgeordneten im Streit mit der
Regierung die Oberhand behalten konnten. Bercow rechtfertigte das mit
einem immer stärker autoritären Regierungsstil. Er hatte das Amt des
«Speaker of the House of Commons» zehn Jahre inne. Am Montag wurde
der Labour-Politiker Lindsay Hoyle zu seinem Nachfolger gewählt.



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