Britische Autofahrer lassen Führerschein umschreiben

09.11.2019 04:55

Brauchen britische Autofahrer nach dem Brexit in der EU einen neuen
Führerschein? Die Antwort darauf ist - wie so vieles bei dem
drohenden Austritt - offen. Viele Briten in Bayern gehen lieber auf
Nummer sicher - und holen sich eine EU-Fahrerlaubnis.

München (dpa/lby) - Müssen britische Autofahrer nach dem Brexit in
Deutschland ihren Wagen erst einmal stehen lassen? Auch wenn noch
unklar ist, ob ein britischer Führerschein nach einem EU-Austritt
außerhalb Großbritanniens noch gilt, gehen viele Briten in Bayern
lieber auf Nummer sicher und lassen ihre Fahrerlaubnis
vorsichtshalber umschreiben.

«Die Brexit-Problematik mit ungewissem Ausgang hat dazu geführt, dass
eine große Zahl an britischen Staatsbürgern ihren britischen
Führerschein in einen EU-Führerschein umschreiben lässt», sagt etwa

ein Sprecher der Münchner Kreisverwaltungsreferats.

Eine genaue Zahl der britischen Führerschein-Umschreiber lässt sich
allerdings nicht ermitteln: «Die Statistik des Führerscheinprogramms
lässt keine Auswertung nach einzelnen Ländern zu», sagt eine
Sprecherin der Stadt Augsburg. Besonders zum Jahresbeginn habe es
aber vermehrt telefonische Anfragen zum Ablauf eines
Führerscheintauschs gegeben. In München beispielsweise sind alle
Umschreibungen auf EU-Fahrerlaubnisse in diesem Jahr gegenüber dem
Vorjahr um 65 Prozent gestiegen.

Auch in Nürnberg gab es nach Angaben der Stadt zeitweise einen
regelrechten Ansturm auf die Führerscheinstelle: «Im Frühjahr, als
die Brexit-Verhandlungen akut wurden, gingen die
britischen Staatsangehörigen noch davon aus, ihre britische
Fahrberechtigung von heute auf morgen zu verlieren», sagt eine
Sprecherin des Nürnberger Ordnungsamts. «Wir schätzen, dass
im Schnitt zwei bis drei britische Führerscheine am Tag umgeschrieben
werden.» Etwas mehr als 800 Briten seien in Nürnberg gemeldet.

Wesentlich weniger sind es dagegen in Würzburg. «Bei uns sind 108
volljährige Briten gemeldet, die ihren Führerschein umschreiben
lassen könnten», sagt eine Stadtsprecherin. Bisher seien in diesem
Jahr neun Umschreibungen abgeschlossen worden, zwei Anträge würden
noch laufen. «Die Zahlen hören sich zwar wenig an, jedoch häufen sich

die telefonischen und persönlichen Anfragen sowie die Anfragen per
E-Mail bezüglich der Vorgehensweise bei einem ungeregelten Brexit»,
sagt sie. Der Beratungsaufwand sei immens.

Überdurchschnittlich viele Briten an den Führerscheinschaltern wurden
auch zeitweise in Regensburg beobachtet. Vor allem Anfang des Jahres
wurden nach Angaben einer Sprecherin vermehrt britische
Fahrerlaubnisse umgeschrieben. Im Laufe der Monate habe der Andrang
aber wieder abgenommen. Grund dafür ist nach Einschätzung der
Sprecherin aus Nürnberg, dass immerhin eine Sache bezüglich des
EU-Austritts geklärt wurde: «Am Tage des Brexits beginnt die übliche

Sechsmonatsfrist zu laufen.» Erst danach könnten die Führerscheine
außerhalb Großbritanniens ihre Gültigkeit verlieren - möglicherweis
e.



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