Experten warnen vor gefährlichem Spielzeug - China im Fokus Von Alkimos Sartoros, dpa

28.11.2019 12:37

In der Vorweihnachtszeit stehen Spielzeuge wieder weit oben auf den
Einkaufszetteln vieler Eltern. Verbraucherschützer mahnen aber zur
Wachsamkeit. Vor allem Kinderspielzeug aus China steht im Fokus.

Brüssel (dpa) - Weichmacher, Gifte, Kleinteile: Zum Beginn der
Vorweihnachtszeit warnen Umwelt- und Verbraucherschützer vor
gefährlichem Kinderspielzeug. «Die problematischsten Spielzeuge sind
die aus Plastik», sagte Tatiana Santos vom Europäischen Umweltbüro
(EEB) am Donnerstag in Brüssel. Vor allem aus China kämen sehr viele
Spielsachen mit gesundheitsschädlichen Chemikalien. Europaabgeordnete
erwarten von der neuen EU-Kommission rasches Handeln.

Dem Umweltverband EEB zufolge wurden - basierend auf Informationen
des europaweiten Schnellwarnsystems für gefährliche Produkte (Rapex)
- im Laufe des Jahres bereits um die 250 Spielzeugmodelle vom Markt
genommen, nachdem Tests bedenkliche Chemikalienkonzentrationen
ergeben hatten. Gut vier von fünf davon kamen demnach aus China.

Über Rapex können einzelne Staaten Informationen zu gefährlichen
Waren austauschen, die dann vom gesamten EU-Markt genommen werden
können. Rapex zufolge betrafen gut 45 Prozent aller erfassten Fälle
im laufenden Jahr Risiken wegen enthaltener Chemikalien. Vor allem
Phthalate - in Plastik verwendete Weichmacher - standen hier im
Fokus. Neben schädlichen Chemikalien spielten vor allem Spielzeuge
mit Erstickungsgefahr eine Rolle. 11 Prozent der Fälle betrafen zudem
Batterien, die zu leicht zugänglich waren.

Jenseits der erfassten Problemfälle sorgen sich die Umweltschützer
aber um die mögliche Dunkelziffer. «Wo Kontrolleure die Ressourcen
bekommen, die sie brauchen, machen sie hervorragende Arbeit», sagte
EEB-Chemikalien-Expertin Santos weiter. Die Frage sei jedoch, wie
viele giftige Spielzeuge unbemerkt in die EU kämen. «Importeure
chinesischer Waren müssen deutlich mehr Druck auf ihre Lieferanten
ausüben», forderte sie.

Der europäische Verbraucherverband Beuc warnte in diesem Zusammenhang
auch vor unbedachten Online-Einkäufen. Kunden werde empfohlen, nicht
gekennzeichnete Produkte zu meiden. Wenn von chinesischen
Internetseiten eingekauft werde, sollten zudem Elektronikgeräte,
Kleidung oder Spielsachen gemieden werden, die unverhältnismäßig
günstig seien, erklärte Beuc-Sprecher Laurens Rutten.

Auch aus dem Europaparlament kamen mahnende Stimmen. «Der «Black
Friday» wird als Startschuss in die Weihnachtseinkaufsaison auch in
Deutschland und Europa immer beliebter. Es gilt allerdings: Augen auf
beim Geschenkekauf», sagte die SPD-Verbraucherschutzexpertin Evelyne
Gebhardt. «Zu oft missachten Hersteller aus China oder anderen
Ländern die Vorgaben des europäischen Verbraucherschutzes.
Kinderspielzeugtelefone sind nicht selten zu laut und können zu
Gehörschäden führen.»

«Rapex verzeichnet jede Woche mehr als zehn neue Meldungen wegen
gefährlichen Spielzeugs in der EU», erklärte Gebhardt weiter. «Ich

erwarte von der neuen EU-Kommission, dass sie sich mit Nachdruck für
die Produktsicherheit einsetzt.» Die EU-Kommission der neuen
Präsidentin Ursula von der Leyen (CDU) soll am 1. Dezember starten.
Die Behörde ist in der EU vor allem für neue Gesetzesvorschläge sowie

für die Überwachung von EU-Recht in den einzelnen Staaten zuständig.


Der Grünen-Europaabgeordnete Sven Giegold sagte: «Giftige
Umwelthormone haben im Spielzeug nichts verloren. Europa braucht
einen Aktionsplan, um Gifte aus unserem Lebensalltag zu entfernen.»
Zudem müsse die Durchsetzung geltenden Rechts schärfer von Brüssel
kontrolliert werden. «Wir können nicht gefährliche Chemikalien in
Europa verbieten und gleichzeitig giftige Importe aus China
zulassen.»



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