Juncker: «Europa ist die Liebe meines Lebens»

29.11.2019 09:53

Brüssel (dpa) - Mit einer launigen Bilanz seiner Erfolge und
Niederlagen hat sich EU-Kommissionschef Jean-Claude Juncker von den
Europäern verabschiedet. «Es ist kein Geheimnis, dass Europa die
große Liebe meines Lebens ist und immer bleiben wird», schrieb
Juncker am Freitag in einer Kolumne für das Portal Politico. «Die
vergangenen fünf Jahre waren kein Picknick. Es gab schwierige
Momente, die mir im Gedächtnis geblieben sind, und es gab sehr schöne
Erinnerungen an sehr besondere Momente.»

Der 64-jährige Luxemburger gibt sein Amt am Samstag nach fünf Jahren
ab, Nachfolgerin wird am Sonntag die CDU-Politikerin Ursula von der
Leyen. Zum Abschied teilte Juncker noch einmal etliche Anekdoten, so
etwa, dass sein uraltes Nokia-Handy einst vom früheren französischen
Präsidenten Jacques Chirac abgehört wurde oder dass er auf Zypern
genug Halloumi-Käse für den Rest seines Lebens aufgetischt bekommen
habe. «Ich habe ihnen das nicht erzählt, aber ich bin kein großer Fan

dieses Gummizeugs», schrieb Juncker.

Zu den schwierigen Zeiten zählte er die Griechenland-Krise 2015 sowie
die EU-kritischen Referenden in den Niederlanden, in Dänemark, der
Schweiz und schließlich die britische Entscheidung zum EU-Austritt.
«In den vergangenen Jahren habe ich mich oft wie Europas
Familientherapeut gefühlt, der versuchte, jeden glücklich und an Bord
zu halten», meinte Juncker. Nun werde er früher ausscheiden als die
Briten - was ihn nicht unglücklich mache, «denn es bricht mir das
Herz zu sehen, wie ein Mitglied unsere Union verlässt».

Als Höhepunkte seiner Amtszeit strich er unter anderem das Pariser
Klimaabkommen von 2015 und den 60. Geburtstag der EU in Rom 2017
heraus sowie die Abschaffung der Handy-Roaming-Gebühren 2017. Als
besonderes Kompliment sieht er die Namen, die ihm US-Präsident Donald
Trump verliehen habe: «Tough cookie» (in etwa: harter Hund) und
«brutal killer».

Und auch vom französischen Präsidenten Emmanuel Macron, der der Nato
kürzlich den «Hirntod» bescheinigt hatte, verabschiedete sich Juncker

mit einer Spitze: «Europa muss eine starke Säule der Nato bleiben,
die weniger «hirntot» ist als in einem leichten Dämmerschlaf, aus dem

sie leicht geweckt werden kann.»



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