Maas: Flugzeugabsturz «möglicherweise» durch irrtümlichen Abschuss

10.01.2020 16:01

Brüssel (dpa) - Bundesaußenminister Heiko Maas hält einen
versehentlichen Abschuss der bei Teheran abgestürzten
Passagiermaschine für denkbar. Zum gegenwärtigen Zeitpunkt müsse man

davon ausgehen, dass der Vorfall «möglicherweise» durch den
irrtümlichen Abschuss einer Flugabwehrrakete verursacht wurde, sagte
der SPD-Politiker am Freitag in Brüssel. «Das ist mehr als tragisch
und eigentlich fehlen einem die Worte, das zu kommentieren.» Nun sei
eine lückenlose Aufklärung wichtig. «Es darf nichts unter den Tisch
gekehrt werden, denn wenn das der Fall wäre, wäre das der Nährboden
für neues Misstrauen.»

Mit Blick auf die Lage im Nahen Osten betonte Maas, dass die
unmittelbare Kriegsgefahr erstmal gebannt sei. Dies sei eine
außerordentlich positive Entwicklung, zu der auch die EU und mehrere
EU-Staaten durch Interventionen in beide Richtungen beigetragen
hätten.

Die Staatengemeinschaft müsse weiter eine Rolle im Irak und der
Region spielen, forderte Maas. «Der Irak darf nicht zum Schauplatz
einer Auseinandersetzung zwischen den USA und dem Irak werden.»
Europa habe im Irak viel Arbeit geleistet.

Deshalb sei es sinnvoll, den Kampf gegen die Terrormiliz Islamischer
Staat in dem Land fortzusetzen. «Das jetzige Ende des Kampfes gegen
den IS im Irak würde das Land ganz erheblich destabilisieren und neue
Spielräume für den IS schaffen», sagte Maas. Damit steige nicht nur
in der Region, sondern auch in Europa die Anschlagsgefahr.
Deutschland würde eine Entscheidung der irakischen Regierung jedoch
akzeptieren.

An den Iran appellierte der Minister, am stark gefährdeten
Atomabkommen festzuhalten. Man sei der Auffassung, dass das Abkommen
von 2015 sinnvoll sei, weil es den Iran an der Entwicklung von
Atomwaffen hindere.



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