Omanischer Sultan Kabus gestorben - Cousin neuer Herrscher

11.01.2020 19:51

Als Kabus 1970 die Macht im Oman übernahm, war das Land rückständig
und abgeschottet. Der autokratische Herrscher modernisierte es. Nach
seinem Tod wurde ein Brief mit seinem letzten Willen geöffnet.

Maskat (dpa) - Nach dem Tod des omanischen Sultans Kabus bin Said hat
dessen Cousin in einem reibungslosen Machtübergang die Herrschaft in
dem arabischen Land übernommen. Haitham bin Tarik Al Said legte am
Samstag seinen Eid ab, wie die Regierung in der Hauptstadt Maskat
mitteilte. Der in dem ölreichen Land im Südosten der Arabischen
Halbinsel sehr beliebte Kabus war im Alter von 79 Jahren gestorben.
Er soll Krebs gehabt haben. Im Oman wurde eine dreitägige
Staatstrauer ausgerufen.

Kabus war so lange an der Macht wie kein anderer Herrscher der
arabischen Welt. Er hatte das Sultanat Oman fast 50 Jahre im
Alleingang regiert und von einem rückständigen Landstrich in einen
modernen, prosperierenden Staat verwandelt. «In tiefer Trauer und mit
großem Schmerz gibt der königliche Hof den Tod von Sultan Kabus
bekannt», hieß es in einer offiziellen Mitteilung.

Der Monarch hatte weder Kinder noch Brüder. Seinen Nachfolger legte
er in einem Brief fest, den der Verteidigungsrat in Anwesenheit von
Mitgliedern der Herrscherfamilie öffnete. Dort war der letzte Wille
des Verstorbenen festgehalten. Der 65 Jahre alte neue Sultan Haitham
war bisher Kulturminister. In seiner ersten Rede sagte er zu, die
Politik seines Vorgängers fortsetzen und sich wie dieser nicht in die
inneren Angelegenheiten anderer Länder einmischen zu wollen.

Kabus wurde noch am Samstag im Familiengrab beerdigt. Der an der
britischen Militärakademie Sandhurst ausgebildete Kabus hatte am 23.
Juli 1970 im Alter von 29 Jahren die Macht im Land übernommen. Damals
kippte er mit Hilfe des Militärs und des britischen Geheimdienstes
seinen Vater Said vom Thron. Dieser hatte das Land nach außen
abgeschottet und jede Modernisierung verweigert.

Bundesaußenminister Heiko Maas (SPD) erklärte am Samstag: «Wir
trauern um einen großen Staatsmann.» Kabus habe Oman in die Moderne
geführt und gleichzeitig das kulturelle Erbe seines Landes bewahrt.
Die Europäische Union sicherte dem Oman die weitere Zusammenarbeit
zu. In einem gemeinsamen Beileidsschreiben versicherten ranghohe
EU-Politiker am Samstag: «Die Europäische Union wird weiter an der
Festigung einer starken und dauerhaften Partnerschaft mit dem
Sultanat Oman und seiner Bevölkerung arbeiten.»

Unter der Herrschaft von Kabus entwickelte sich der Oman mit Hilfe
von Öleinnahmen zu einem modernen und stabilen Staat. Der arabische
Aufstand 2011 ging fast spurlos an dem Sultanat vorbei.
Menschenrechtler beklagen jedoch fehlende Meinungsfreiheit und die
Verhaftung von Regierungskritikern in dem autokratisch regierten
Land. International positionierte Kabus den Oman als Vermittler
zwischen dem Iran und dem Westen, aber auch im Jemen-Konflikt.

Der Oman gilt auch als Staat, der inoffiziell Kontakte zu Israel
pflegt. Im April hatte er die arabischen Staaten dazu aufgerufen,
sich um ein Ende der israelischen Existenzängste zu bemühen. In dem
muslimischen Land, das fast so groß wie Deutschland ist, leben knapp
fünf Millionen Menschen.

Kabus, der am 18. November 1940 geboren wurde, hatte sich immer
wieder in Garmisch-Patenkirchen aufgehalten, wo er ein Anwesen besaß.
Er war Mitte Dezember auch noch ins belgische Löwen gereist, um sich
im dortigen Universitätskrankenhaus behandeln zu lassen. Es hieß, er
habe Darmkrebs. Die Behandlung sollte bis Ende Januar dauern, doch
schon nach wenigen Tagen flog der Sultan zurück in seine Heimat.



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